Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels

Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels 221 sammenzustellen und mit einem Kommissionär, dem Sopracarico Johann Weber, nach Brasilien abzufertigen. „Wenn nun auf diese Art“, resümierte der Gouverneur von Triest in seinem abschließenden Bericht, „die große Absicht Seiner Majestät, alle Natur- und Kunstprodukte der Monarchie bei gegenwärtiger Gelegenheit nach Brasilien zu Markte zu bringen, nicht vollkommen erreichet werden konnte, so glaubte ich doch, daß die Haupt­artikel des Nationalfleisses und zwar beinahe aller Provinzen in dem Ver­suche einbezogen worden sind, daß Individuen der ersten Handelsplätze Triest und Venedig die Gelegenheit, den Handel und die Schiffahrt nach Brasilien kennen zu lernen, verschaffet worden ist und daß ihre Relazionen, zu welchen ihnen Instruktionen werden mitgegeben werden, zu kräftiger Spekulazion und zur Festsetzung eines direkten Handels zwischen Öster­reich und Brasilien werden anbiethen können“ 34). Die schwierige Frage der Ernennung eines Generalkonsuls war dadurch umgangen worden, daß man bestimmte, der Expedition vorläufig nur einen versierten Handelsmann als Experten beizugeben, der die diplomatische Mission in Handelsfragen beraten und Marktforschung an Ort und Stelle treiben sollte. Am 13. Jänner 1817 war der Kaufmann Wenzel Bergner aus Rumburg in Böhmen für diesen Posten ausersehen worden35 36). Mit der eigentlichen Leitung der Handelsagenden war Freiherr von Neveu3“), der als Botschaftsrat der Sonderbotschaft nach Brasilien zugeteilt war, betraut worden. Er sollte mit den beiden österreichischen Fregatten Austria und Augusta die wissenschaftliche und die Handelsexpedition nach Brasilien ge­leiten und dem eigentlichen Hochzeitskonvoi als Vorkommando vorausfahren, um in Rio de Janeiro alles für den Empfang der königlichen Braut und des Sonderbotschafters zu arrangieren. Die Abfahrt der Erzherzogin Leopoldine und des außerordentlichen Botschafters, des Grafen Eltz, sollte anfang Juni 1817 auf portugiesischen Schiffen von Livorno aus erfolgen. 34) St.K. Dipl. Korr., Brasilien, Fasz. 2, Konv. Handel, Note der KHK. an St.K. vom 10. III. 1817 mit dem Bericht des Guberniums von Triest vom 20. II. 1817. 35) HKA., Kom.-Präs., rote Nr. 1243, ZI. 174 u. 175. — Ah. Entschließung vom 13. I. 1817: „die Aufstellung eines Generalkonsuls hat vor der Hand auf sich zu beruhen und will Ich, daß der Rumburger Kaufmann Bergner, wenn er die Sendung übernimmt, mit meiner nach Brasilien abgehenden Botschaft mit einem Mir vorzuschlagenden Genüße abgesendet werde; derselbe hat sich dort ausschließlich mit der Abfassung der die wechselseitigen Handelsbeziehungen betreffenden Berichte und der für Österreich zu erreichenden Vortheile zu beschäftigen, dabei den Rath und die Einsichten der mitgehenden Kaufleute zu benützen, um seine gemachten Beobachtungen und Erfahrungen der KHK. mitzuteilen“. Über die Ernennung des Bergner vgl. St.K., Dipl. Korr., Brasilien, Fasz. 2 Handel, Note der KHK. an die St.K. ddo. 13. I. 1817. R. v. Stahl will sich mit Bergner in Verbindung setzen und seine Zustimmung einholen; gehalts­mäßig soll er einem Legationssekretär gleichgestellt werden. 36) Freiherr Joseph Wilhelm Neveu von Windschlag (geb. 21. VI. 1782, gest. 26. II. 1819 in Rio de Janeiro) wurde am 27. Nov. 1816 zum Botschaftsrat bei der Sondermission nach Brasilien ernannt. St.K. Vorträge, K. 204.

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