Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels

222 Richard Blaas Die von der Kommerzhofkommission für Neveu ausgearbeitete Dienst­instruktion vom 5. März 1817, umriß seine Aufgabe folgendermaßen: „der erste und wichtigste Gegenstand ist die Erörterung der Frage, welche Maßregeln sind zu ergreifen, um durch irgendeinen Handelsverkehr mit dem an rohen Produkten so außerordentlich reichen Brasilien für die österreichische Monarchie den größten staatswirtschaftlichen Vorteil zu ziehen und welche Verabredungen hätte dem zu Folge die k. k. Botschaft mit dem dortigen Hofe einzuleiten, um diesen Zweck nach Möglichkeit zu erreichen.“ — Detaillierte Dienstanweisungen zu geben sei, erklärte Prä­sident Stahl freimütig, unmöglich, da man von den wirklichen Verhält­nissen in Brasilien keine Ahnung habe, und den dortigen Markt nicht kenne, es gelte zunächst einmal, jede sich bietende Gelegenheit auszuloten 37). Am 10. März 1817 wurde die Warengesellschaft in Triest von der Er­nennung Neveu’s in Kenntnis gesetzt und zugleich mitgeteilt, daß die Abfahrt nunmehr endgültig auf Ende März festgesetzt sei38). Die Ver­ladung der ersten Warensendungen nach Brasilien auf den beiden Fregat­ten begann. Der Hauptteil der Handelsgüter wurde auf der zu einem Trans­portschiff umgestalteten Fregatte Augusta eingestehifft, ein kleineres Quantum auf der für das diplomatische Personal und einen Teil der Naturforscher bestimmten Fregatte Austria39). Bei der Verladung stellte sich allerdings heraus, daß statt der projektierten 300 Tonnen nicht viel über 150 Tonnen verladen werden konnten, weil die Kriegsschiffe wegen der Armierung und Verproviantierung für die lange Fahrt nicht mehr Raum boten. Am 26. März 1817 übergab Herr Weber dem Botschaftsrat Neveu 37) St.K. Dipl. Korr., Brasilien, Fasz. 2, Konv. Handel. Die KHK. weiß, daß die österreichischen Waren schwer mit den englischen, amerikanischen und fran­zösischen, von denen der brasilianische Markt überschwemmt ist, werden kon­kurrieren können. Doch alle diese ungünstigen Umstände sollten nicht ab- schrecken einen Versuch zu machen „und beide Nationen und Länder mit ihren Erzeugnissen in nähere Berührung miteinander zu bringen, besonders da alle bisher von Brasilien angeführten Daten, wie man schon bemerket, unvollständig sind und nur bis zur ersten Zeit der Transplantation des Lisboner Hofes nach Brasilien reichen; über alles aber, was seit diesem ewig merkwürdigem Ereigniß in innerer administrativer Hinsicht dort geschah, nichts zuverlässiges bekannt ist... so weiß man auch nicht, wieviel die Bevölkerung und innere Kultur des Landes zugenommen hat, auch ist unbekannt, wie sich die Handelsverhältnisse der mit Brasilien handeltreibenden Nazionen entwickelt haben“. 38) Ebenda. Schreiben der KHK. an den Gouverneur von Triest. 39) Noch knapp vor dem Start der Handelsexpedition hatten sich einige Handelsfirmen der Lombardei entschlossen, sich an der Aktion zu beteiligen, so die Waffenfabrik Landi in Brescia, deren Gesuch um Bewilligung, sich mit Warensendungen an der Expedition beteiligen zu dürfen, von der Staatskanzlei befürwortet wurde. St.K. Dipl. Korr. Brasilien, Fasz. 2, Handel, Note an die KHK. vom 14. III. 1817. Ebenso hatte der Wiener Juwelier Bruno Neuling einige Kisten mit Uhren und Galanteriewaren nachgereicht. — Ebenda. Note der St.K. an die KHK. vom 19. II. 1817.

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