Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels

220 Richard Blaas die Denkschrift des Großhändlers Perez die allgemeine Handelslage und die voraussichtliche Entwicklung darzulegen suchte und dabei doch zu posi­tiveren Resultaten kam 30). Auch der Präsident der Kommerzhofkommission beurteilte die handelspolitische Entwicklung eines möglichen österreichi­schen Brasilienhandels bei aller Reserve doch eher positiv. Stahl stimmte mit Perez überein, „daß ein direkter Handelsverkehr zwischen Brasilien und Österreich für beide Teile mit der Zeit allerdings vorteilhaft werden würde'-, gibt aber doch zu bedenken, daß Österreich ja keine Seehandelsnation sei und es daher schwer haben werde, im Konkurrenzkampf mit den anderen mit Brasilien Handel treibenden Nationen, den Engländern, Nordamerika­nern, Franzosen und Niederländern, zu bestehen. „Alle diese Betrachtun­tungen dürfen uns aber nicht abhalten, die so äußerst günstige Gelegenheit, welche die glückliche Familienverbindung mit dem Hof von Brasilien her­beiführt, nach Möglichkeit zu benützen“ 31). Auf diesen Standpunkt stellte sich auch das Anfang Jänner 1817 zusammengetretene Ministerkomitée, das die Vorbereitungen der Brasilienexpedition zu koordinieren hatte32). Der Dezembertermin für die Ausfahrt der österreichischen Fregatten Austria und Augusta war längst hinfällig geworden, die umfangreichen Vorarbeiten für die Aufstellung der Sonderbotschaft und der wissenschaft­lichen Forschungsexpedition hatten eine Verschiebung des Abfahrtster­mines erzwungen. Die anfängliche Begeisterung für den sich eröffnenden Überseehandel hatte vor der nüchternen Kalkulation der Handelsfirmen viel an Schwung eingebüßt. Graf Saurau meldete, daß der Handelsstand in der Lombardei geringes Interesse an der Aktion zeige, Venedig avisierte ebenfalls nur eine sehr bescheidene Teilnahme 33), nur in Triest war man dem Experiment nicht abgeneigt, obwohl auch dort Abstriche vom ur­sprünglichen Programm gemacht werden mußten. Die von der Börsen­deputation vorgeschlagene und von den staatlichen Stellen geförderte Aktiengesellschaft für den Brasilienhandel, die Aktien zu 2000 fl. ausgeben wollte, kam mangels an Beteiligung nicht zu stande; es gelang nur, eine Art offene Handelsgesellschaft mehrerer Triestiner Firmen zu bilden, die es übernahmen, die eingesendeten oder bereits in Triest lagernden Handels­artikel verschiedener Firmen der Monarchie zu einem Warensortiment zu­30) St.K. Dipl. Korr., Brasilien, Fasz. 3, Konv. Handel, Promemoria des A. E. Perez vom 21. November 1816, „So gewiß es ist, daß noch kein Moment dem österreichischen Handel so segensreichen Erfolg versprach und daß sich niemals wieder ein so günstiger anbiethen kann, so gewiß ist es auch, daß der Erfolg für die Zukunft größtenteils von dem Gelingen des ersten Versuchs ab­hängt“. Am 29. Dezember 1816 legte die Kommerzhofkommission ein weiteres Promemoria des Perez über den Brasilienhandel vor. HKA„ Kom.-Präs, rote Nr. 1243, ZI. 145. 31) HKA., Kom.-Präs., rote Nr. 1243, ZI. 155. Stellungnahme der KHK. zum Perez-Bericht ddo. 8. I. 1817. 32) St.K. Vorträge, Karton 206, Vortrag vom 6. I. 1817 mit Protokoll über die Sitzung des Ministerkomitee’s vom 4. I. 1817. 33) HKA., Kom.-Präs., rote Nr. 1243, ZI. 170 und 175.

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