Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels

Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels 219 werden, damit man es sich wegen des Einkaufes der Rückfracht einteilen könne. In Triest rechnete man, daß auf den beiden Fregatten, wenn sie nicht voll kriegsmäßig ausgerüstet würden, 300 Tonnen Frachtgüter unter­gebracht werden könnten. Um das Risiko des einzelnen Exporteurs zu ver­ringern, schlug die Börsendeputation vor, „daß dieser Spekulationsversuch am ehesten durch Aktionäre bewerkstelligt werden könnte, weil keiner sich herbeilassen dürfte, eine bedeutende Summe in der Ungewißheit eines vor­teilhaften Absatzes zu wagen“. Man erbat sich deshalb ein diesbezügliches Dekret zur Gründung einer Aktiengesellschaft für den Brasilienhandel. An Handelsartikeln schlugen die Triestiner Exporteure folgende Warengruppen vor: Leinwand aller Art, Gläser, Eisen- und Stahlwaren, Seife, Wachs, Un- schlitt, Kerzen, Seidenstoffe, Luster, Spiegel, Klaviere, Möbel usw. nach allen übereinstimmenden Nachtrichten aus Brasilien haben solche gemischte Ladungen, je bunter sie waren, immer das größte Glück gemacht. Von allen diesen Artikeln sollen aber schon jetzt genug auf dem Platz sein oder leicht und schnell zu beziehen sein“ 28). Am meisten aber fürchtete man in Triest die englische Konkurrenz auf dem brasilianischen Markt. Mit den Preisen des englischen Warenangebotes, das sich in der Auswahl und Qualität der Artikel kaum vom österreichischen unterschied, glaubte man unter den momentan in Brasilien geltenden Ein- und Ausfuhrzöllen, die für englische Waren einen 15% igen Satz, für österreichische aber einen 24%igen vorsahen, nicht konkurrieren zu können. Solange dieser hohe Zoll­satz auf den österreichischen Waren liegt, ist der Handel mit Brasilien für Österreich uninteressant; überdies ist. Brasilien momentan, wie man in Triest wußte, mit europäischen Waren geradezu überschwemmt, wodurch die Einfuhrpreise d. h. Verkaufspreise für die österreichischen Waren niedrig und die Einkaufspreise für brasilianische Produkte wegen der regen Nachfrage sehr hoch liegen29). Diese nicht sehr optimistische Prognose der Börsendeputation in Triest war schwer zu widerlegen, da sie auf reelle kaufmännische Überlegungen sich gründete, sie hatte aber doch nur die momentane Situation und die Anlaufschwierigkeiten im Auge, während z. B. 28) HKA., Kom.-Präs., rote Nr. 1243, Note ddo. 26. Nov. 1816 mit ausführ­lichem Bericht des Guberniums in Triest. 29) „Erlaube mir zu bemerken, daß ein direkter Handelsverkehr zwischen Österreich und Brasilien nach der Natur ihrer Produkte, Fabrikate und Bedürf­nisse für beide Teile ohne Zweifel von wichtigem Vorteil sein werde und daß es Österreich wahrscheinlich gelingen dürfte, wenn auch nicht schon gleicht itzt, doch mit der Zeit, England nicht nur Konkurrenz zu halten, sondern Brasilien bei einigen Artikeln, welche die Engländer in ihren Kolonien selbst erzeugen, ausgedehntere Handelsvorteile anbieten zu können, wenn anders zwischen Öster­reich und Brasilien ein Kommerzvertrag zu Stande gebracht werden könnte, welcher der österreichischen Nationalhandlung und Schiffahrt dieselben Begün­stigungen versichern würde, die England nach dem Traktat vom 19. Februar 1810 in Brasilien genießt, weil sonst wohl die höheren Zölle und Hafengebühren der österreichischen Handlung jede Konkurrenz von sich selbst unmöglich machen würden.“ Bericht des Gouverneurs Rosetti aus Triest ddo. 13. Nov. 1816, ebenda ZI. 93/C. P.

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