Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels
Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels 213 gemäße Reformen neu zu beleben, mußte man natürlich auch darauf bedacht sein, der expandierenden Wirtschaft neue Absatzmärkte zu erschließen, hiezu bot sich gleichsam von selbst die Reaktivierung des Überseehandels, der während der Kriegswirren und zufolge der von Napoleon verhängten Kontinentalsperre weitgehend stagniert hatte, an. Verständlicherweise kamen die ersten Anregungen für einen neuen Start des Überseehandels aus Triester Handelskreisen. Triest, das 1809 im Frieden von Wien hatte an Frankreich abgetreten werden müssen, war nun nach dem Ende der französischen Herrschaft bemüht, wieder Anschluß an den Welthandel zu finden. Der von der Zentralorganisierungshofkommission anfang 1815 dem Gubernium in Triest und der dortigen Börsendeputation, der Interessenvertretung der Triestiner Handelsleute, zur Begutachtung vorgelegte Antrag der Staatskanzlei „einen österreichischen kaiserlichen Generalkonsul bei den Vereinigten Nordamerikanischen Staaten aufzustellen“ 10) wurde einstimmig gebilligt und darauf verwiesen, daß die Vereinigten Staaten bis 1809 ohnehin in Triest durch einen Konsul vertreten waren und die österreichischen Waren in den Vereinigten Staaten bisher stets gut hatten abgesetzt werden können11). Auf den Amerikahandel war Metternich auch noch von anderer Seite eindringlich aufmerksam gemacht worden12). Die kaiserliche Entschließung vom 4. Oktober 1815 über die Errichtung eines Generalkonsulates in Nordamerika trug diesen Bestrebungen Rechnung13). Fast gleichzeitig mit der grundsätzlichen Entscheidung, in direkte Handelsbeziehungen mit Nordamerika zu treten, war der Staatskanzlei das Ansuchen eines gewissen Herrn Silva Hofmann aus Rio de Janeiro zugekommen, der sich darin zur Überraschung der österreichischen Behörden als „österreichischer Konsul in den Staaten des portugiesischen Königreiches jenseits des atlantischen Meeres“ bezeichnete und um Bestätigung dieser seiner angeblichen diplomatischen Funktion bat. Hofmann legte der Staatskanzlei ln) St.K., Notenwechsel, Noten an ZOHK, Fasz. 27, Note vom 28. II. 1815. n) St.K., Notenwechsel, Noten der ZOHK an die St.K., Fasz. 80, Note vom 17. Juli 1815. 12) Metternich war im Sept. 1815 vom österreichischen Gesandten in Den Haag eine Denkschrift des Triestiner Großhändlers A. E. Perez, der soeben nach einem neunjährigem Aufenthalt in Westindien und Nordamerika zurückgekehrt war, überreicht worden, in der dieser auf die großen wirtschaftlichen Vorteile eines direkten österreichischen Handels mit Amerika hinwies und die Ernennung eines Generalkonsuls für Amerika in Vorschlag brachte. Fast gleichzeitig hatte auch der österr. Geschäftsträger in St. Petersburg, Johann Provost, Metternich auf die Bedeutung des Amerikahandels hingewiesen. St.K., Notenwechsel, Noten an die Hofkammer, Fasz. 21, Note vom 9. Oktober 1815. — Die Staatskanzlei hatte die Errichtung eines Generalkonsulates für Nordamerika bereits in einer Note an die ZOHK. befürwortet, St.K, Notenwechsel, Noten an die ZOHK. Fasz. 27, Note vom 17. August 1815. 13) Ebenda, Noten der ZOHK. an die St.K., Fasz. 80, Note vom 20. Oktober 1815 mit der Mitteilung des Vortrages und der ah. Resolution über die Errichtung eines Generalkonsulates für Nordamerika.