Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BLAAS, Richard: Die Anfänge des österreichischen Brasilienhandels

212 Richard Blaas ten „Heiligen Allianz" 7 8) eingetreten, aber es blieb ein schwacher und vor allem von Innen her bedrohter Verbündeter. Die Sicherung dieses Vor­postens des monarchischen Prinzips und die Abwehr der von den neuen republikanischen Regierungen Südamerikas befürchteten Rückwirkungen auf Europa schienen dem österreichischen Staatskanzler, dem eifersüch­tigen Hüter des Legitimitäts- und des monarchistischen Prinzips, eines politischen Engagements wert. König Johann VI., der bis zu dem 1816 erfolgtem Ableben seiner geisteskranken Mutter Maria I. als Prinzregent die Regierungsgewalt ausgeübt hatte, sah sich seinerseits genötigt, um mit den inneren Schwierigkeiten in Portugal und in Brasilien fertig zu werden, Anlehnung an eine der führenden Mächte der hl. Allianz zu suchen. Eine dynastische Verbindung mit dem österreichischen Herrscherhaus schien ihm das geeignetste Mittel, sich die notwendige Rückendeckung gegen die englische Bevormundung — England regierte in Portugal als Besatzungs­macht — und gegen die anbrandende konstitutionelle Welle im Innern zu verschaffen, außerdem ließ sich damit das etwas ramponierte Ansehen seines Hauses wieder aufpolieren. Diesbezügliche Anträge wurden in Wien wohlwollend aufgenommen und nur das über das Ziel hinausschießende portugiesische Projekt, die neue Entente gleich mit einer Doppelhochzeitö) zu festigen, fand keine Gegenliebe. Die Eheschließung zwischen der öster­reichischen Erzherzogin Leopoldine und dem portugiesisch-brasilianischen Kronprinzen Pedro wurde im Herbst 1816 in Wien ausgehandelt und die Heirat am 13. Mai 1817 in Wien per procuram vollzogen. Staatskanzler Metternich fand jedenfalls, daß „die Parthie in jeder Rücksicht vortheil- hafter in Portugal ist“ 9 *), als mit einem sächsischen Prinzen, dem Leo­poldine fast schon so gut wie versprochen war, denn mit dieser Verbindung ließen sich wichtige politische, kulturelle und vor allem kommerzielle Pläne in die Tat Umsetzern Amerika war seit dem Unabhängigkeitskrieg in Nordamerika, seit dem Abfall der spanischen Kolonien in Südamerika und der Entstehung einer Reihe unabhängiger Staaten für den europäischen Handel interessant ge­worden. Als man in Österreich daranging, nach der langen Kriegsepoche das Wirtschaftsleben der Monarchie wieder anzukurbeln und durch sach­7) Die Ratifikation der Schlußakte des Wiener Kongresses wurde mit Por­tugal — Brasilien am 4. März 1816 in Paris ausgetauscht. Die Akzession zum 2. Pariser Frieden erfolgte am 28. August 1817 und der Beitritt zur Hl. Allianz am 3. Dezember 1817. Vgl. L. Bittner, Chronologisches Verzeichnis der österrei­chischen Staatsverträge 2. Bd., Wien 1909, Nr. 1707, 1760 und 1925. 8) Eine der Lieblingsideen König Johanns VI. war eine Doppelhochzeit zwischen seinen Kindern Pedro und Isabella und denen des Kaisers Franz I. Ferdinand und Leopoldine. Auch noch nach der Heirat Leopoldines mit Pedro verfolgte er mit großer Zähigkeit den Plan einer Eheschließung zwischen Isabella und Ferdinand solange weiter, bis Kaiser Franz 1820 eine endgültige Absage erteilte. — St.K. Dipl. Korr., Brasilien, Fasz. 7, Unterredung des Kaisers mit Baron Stürmer ddo. 22. Juni 1820. 9) Habsburg-Lothringisches Familienarchiv, Akten des k. k. Min. d. Äuße­ren, Vermählungen, Karton 22, Weisung Metternichs vom 28. Juli 1816.

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