Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 201 Mein Los wurde geworfen, für meine Aufrichtigkeit, für meine Wahrheit wurde ich ziemlich bestraft und mit einem Wort, nicht genug, daß ich nach der Zusage meine Donation nicht erhalten, sondern daß ich auch zu meiner größten Kränkung die Unzufriedenheit meines Souveräns empfinden mußte. Wie die drei Berichte (vom 21.) zeigen, ist der Feind mit mehreren Schiffen, welche auch mit Geschütz versehen waren, auf der Donau gefahren und mit Effekt von meinem Geschütz beschossen worden. Da nun der E. H. Johann K. H. mit seinen Truppen in der Gegend von Preßburg eingerückt war, erhielt ich wegen der Brigade Bianchi Befehl. Zu bemerken ist nur hiebei, daß wenn der E. H. Johann K. H., da Raab schon vom Feind genommen war und folglich die gegen den Feind aufgestellte Truppenzahl zu schwach, so würde auf alle Fälle zweckdienlich gewesen sein, die Brigade Bianchi von Preßburg nicht wegzuziehen, im Gegenteil, den Posten Preßburg, welcher der einzige war, der gegen den Feind einen offensiven Punkt vorstellte, zu verstärken. Als ich das letztemal bei dem E. H. Generaliss. K. H. im Hauptquartier gewesen und mit demselben über die gegenwärtige Lage zu sprechen die Gnade hatte, bat ich denselben auch unter anderem, er wolle einmal ganz ohne Suite zu mir kommen, ich würde so denselben ganz ohne Gefahr längs der äußersten Vorposten führen und von allen möglichen den Bericht stellen. — Den 23. Juni nachmittag ließen mir S. K. H. der E. H. Generaliss. sagen, Sie würden verabredeterweise ganz allein kommen, um mit mir die ganze Vorpostenkette zu besichtigen und sich von allem überzeugen; um 4 Uhr ritten wir über St ad lau längs der Donau über Aspern und die Auen bis an die Spitze der Lobau. Ich machte den E. H. Generaliss. K. H. über die Lage, welche die Lobau gegen uns hat, aufmerksam und daß der Feind bereits so viele Batterien verfertigt hätte, um binnen einiger Stunden mittels eines außerordentlichen Flankenfeuers meine Posten sogleich zu verdrängen und dann unter dem Schutz dieses Kanonenfeuers den Übergang zu bewirken. Daß unsere Position ganz vortrefflich, dem Feind das weitere Vorrücken auf diesem Flügel zu verbieten, allein demselben sodann nicht zu verwehren sei, sich der Vorteile gegen unseren linken Flügel zu gebrauchen. S. K. H. der E. H. Generaliss. sahen auch alles recht gut ein und gaben mir vollkommen recht, fanden auch meine Maßregeln alle zweckmäßig. Ich begleitete selben auch auf den linken Flügel und stellte ihm abermals den Beweis, daß der linke Flügel, welcher nur von einer Avantgarde unten General Nordmjamn aufgestellt sei, wenn der Feind einmal aus der Lobau vorgedrungen, keineswegs im Stande, seine Stellung so wie ich zu behaupten, weil die nötigen Verschanzungen |abgingen und für diese Aufstellung viel zu wenig Truppen verwendet wären; würde sich der Feind einmal, (festsetzen), oder gelinge es demselben, uns die Schuster Insel und den Hansel Grund zu entreißen, dann wäre die Armee in einer so gebundenen Lage, sich nicht