Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

202 Manfried Rauchensteiner mehr bewegen zu können und würde den wenigen Vorteil gänzlich ver­loren haben, der dem Feind Bedenken verursacht. Ich glaubte daher, nach dem bis nun keine offensive Operation unternommen worden, im Gegenteil, daß der Feind seit der glücklichen Schlacht bei Aspern uns bereits, mehrere Vorteile entrissen, es wäre keine Zeit zu verlieren für die Haltbarkeit dieses linken Flügels, da es noch Zeit, alles mögliche zu veranlassen, um durch die Behauptung desselben auch den rechten Flügel behaupten zu können, welcher durch den Verlust des linken allsdann verlassen wird werden müssen. Es zeigt übrigens alle Vor­kehrung, welche der Feind bereits gemacht, daß, wenn er je wieder seinen Angriff aus der Lobau machen sollte, auf diesem linken Flügel machen werde und daher wäre es notwendig, diese Arbeiten auf das schleunigste vorzunehmen und diesen Flügel mit Truppen und Artillerie hinlänglich zu versehen. S. K. H. der E. H. Generaliss. fanden meine Ursachen und meinen Vorschlag gegründet, gaben mir recht, ritten sodann wieder zurück und ich wartete vergebens auf die für den linken Flügel vorgeschlagene Verbesserung. Es liefen mir Meldungen ein, d|aß der Feind mit allem Fleiß an verschiedenen Verschanzungen arbeite und ich selber hatte mir (davon) die Überzeugung verschafft; mir blieb nichts anderes übrig, als für jedes meiner Piquets Aufwürfe zu machen, um selbe doch für das erste Kanonenfeuer zu schützen. Vermög einem Befehl ist die Brigade Bianchi unter Kommando des General Hofmeister den 27. Juni bei Hirschstetten eingerückt. Ich erwartete den Bericht, vermög welchem ich dann auch von der verfertigten, fliehenden Brücke die Meldung machte. Ich nahm den Besitz von all den vorwärtigen Inseln und sperrte dergestalt die Donau, daß der Feind selbe nicht mehr befahren konnte. Den 30. Juni erhielt ich einen Befehl, (daß wegen des niederen Wasserstands, der ein Durchwaten gestatten soll, eine Brigade und ein Regiment an Nordmann angewiesen werde), doch war diese Maß­regel keineswegs den Notwendigkeiten entsprechend, denn nicht wegen dem kleinen Wasser, sondern wegen der Wichtigkeit dieses Postens wäre es notwendig gewesen, dem linken Flügel mehr Konsolidität zu geben. Den 30. Juni auf den 1. Juli in der Nacht erhielt ich die (neue) Dis*- position, vermög welcher man auf eine offensive Operation hätte schließen sollen. Den 1. Juli w|ar ich eben auf dem äußersten linken Flügel in der Redoute Nr. 19, als ich bei meinem Zurückgehen auf einmal ein außerordentliches Kanonenfeuer hörte und sah, welches aus der Lobau auf meinen Posten geschah. Im Anfang, da gar zu ordentlich Schuß auf Schuß geschah, glaubte ich, der Feind feiere wieder ein Siegesfest, doch wurde ich bei meiner Ankunft in Enzersdorf überzeugt, daß der Feind, wie ich bereits S. K. H. dem E. H. Generaliss, gesagt hatte, mit einer Anzahl von 43 Piecen ein solches Kartätschen Feuer auf meine vorwär­tigen Detachements und Vorpostens machte, daß selbe genötigt waren, sich sogleich zurückzuziehen. Unter der Protektion dieses Geschützes

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