Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

182 Manfried Rauchensteiner eingeladen, daß, nachdem er den Kaiser Franz nicht mehr als ihren König erkenne, sich zu einem Landtag auf dem Rakosser Feld zu versammeln einlade, allda sich einen König zu wählen, welcher ihre Privilegien zu schätzen wisse; er (Napoleon) wolle ihnen mit allem beistehen, sich von dem österreichischen Joche zu entledigen und erwarte hierüber nur ihren baldigen Entschluß. Auf diese Art standen nun die Sachen vor mir in diesem Augenblick. Schmerzlich mußte es für mich sein, daß man den Fürsten Reuß, welcher bis nun zu unter meinem Kommando gestanden, zum FZM beförderte, ohne von mir eine Erwähnung zu machen; doch auch diese Kränkung machte meinen Diensteifer nicht erkalten, wie die Tatsachen solches in der Folge erweisen werden. Zu der Rekognoszierung, welche der E. H. Generaliss. auf den 20. Mai bestimmt hatte, erhielt ich Befehl. — Den 19. wurde ich abermals bemü­ßigt, dem E. H. Generaliss. K. H. das Verzeichnis der verdienstvollen Individuen einzusohicken. Dem an E. H. Generaliss K. H. erstattete(n) Bericht (zufolge) war kein Zweifel mehr übrig, daß der Feind nicht alles anwende, sich der Insel Lobau zu bemächtigen, um alsdann seinen Über­gang bewerkstelligen zu können. Ich verfügte mich wieder selbst nach Aspern, Eßling und Enzersdorf und traf den Feind auch wirklich im Besitz der Lobau, auch hatte derselbe schon Geschütz aufgeführt und beschoß den Weg von Aspern nach Eßling. Den 19. Mai abends erhielt ich die Disposition für den 20. Mai, vermög welcher ich noch immer mit allen meinen Truppen in meiner Aufstellung zu bleiben hatte. Den 20. Mai nachmittag um 6'A Uhr erhalte ich die entworfene Disposition, in welcher sich für meine Truppen auch nicht viel veränderte. Ich behauptete bis hierher noch immer Stadlau, Hirsch­stetten, Gr. Aspern, Eßling und Stadl Enzersdorf und war an diesem Tag, nämlich dem 20. Mai, noch selbst zweimal in Enzersdorf und bei dem E. H. Generaliss. K. H. in Aderklaa, sagte auch meine Meinung, daß es wohl weit besser sein würde, den Feind, sowie selber seinen Angriff machen werde, anzugreifen und selben sicher zu werfen, als ihm zu ge­statten, daß er ungehindert die Donau passiere und sich sodann ordentlich formieren könne und daß uns endlich im schlechtesten Fall die gegen­wärtige Aufstellung noch immer übrig bleiben werde. Man hörte meinen Vorschlag und hörte ihn nicht. — Ein Befehl genehmigt nur, daß auf das jenseitige Ufer ein Detachement von Wiener Frei Bataillon Steigentesch gelassen worden. Den 21. Mai früh um 3 Uhr ritt ich noch einmal über Aspern, Eßling nach Enzersdorf und eben als ich von da zurückging, er­hielt ich den Befehl, zum E. H. Generaliss. K. H. nach Aderklaa zu kommen. Bei meinem Eintreffen befragte mich derselbe um die Umstände, woher ich soeben gekommen wäre. Nachdem ich demselben erklärte, daß nun an einem Übergang wohl nicht mehr zu zweifeln sei, forderten der­selbe nochmals, daß ich mich nach Enzersdorf verfügen sollte; bis 9 Uhr war ich wieder zurück und brachte selbem die zuverlässige Nachricht, daß

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