Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 183 der Feind bereits aus der Lobau mit seinen Truppen vorrücke und meine Detachements bald zurückgedrängt sein werden. Was denn auch wirklich bis 10 Uhr vormittags geschehen war, daß der Feind sich von Enzersdorf, Eßling und Aspern bemeisterte und meine Detachements mit Verlust zurückgeworfen hatte. Es schien noch bis 21. Mai in der Früh um 9 Uhr, als wenn man den Feind wirklich in der genommenen Stellung erwarten wollte, als ich auf einmal zu dem E. H. Generaliss. K. H. nach Aderklaa geholt worden, allwo sich alle Korpskommandanten bereits versammelt hatten. Es wurde die Disposition zum Angriff vorgelesen und sodann den Korpskommandanten mitgegeben. Nachdem nun zu dieser Ausführung ausdrücklich bestimmt worden, daß alle Kolonnen um 12 Uhr schon zu marschieren hätten und bereits 10 Uhr war, so eilte ich zu meinen Truppen, um die nötige Veranstaltung zu treffen. — Die Schlachtordnung macht ersichtlich, welche Truppen ich hatte, nach welcher Ordnung ich solche zu diesem Angriff eingeteilt und welche Bewegung vorgegangen. Meine Kolonne war die erste, welche schon um 2>/2 Uhr nachmittag des 21. Mai den in Stadlau und Hirschstetten bereits aufgestellten Feind angegriffen und nach Groß Aspern zurückgeworfen. Kaiser Napoleon und Marschall Massena waren während diesem meinen Angriff auf dem Turm von der Kirche in Groß Aspern. Der Feind hatte Enzersdorf, jedoch aber mehr Eßling und Groß Aspern besetzt, weil ihm diese zwei Punkte als ein Schluß eines natürlichen tété de pont mit dem vorliegenden Graben diente, und so lange derselbe in dem Besitz dieser zwei Ortschaften, immer seine Operation aus der Lobau ohne Gefahr fortsetzen konnte. Nachdem kein anderes Korps an seine Bestimmung angelangt, als ich schon mit dem Feind raufte, und kaum waren noch die Téten der übrigen Kolonnen zu sehen, so hatte ich schon Groß Aspern das erstemal dem Feind mit Sturm abgenommen und selben aus allen denen an der Donau liegenden Auen verdrängt. So standen die Sachen ungefähr um 4>/2 Uhr nachmittag den 21. Mai, als der Feind überzeugt, daß er ohne den Besitz von Gr. Aspern nichts wirken könne, im Gegenteil sich der Gefahr aus- setzen würde, von der Donau abgeschnitten zu werden, als er mir mit überlegener Macht den Ort Gr. Aspern wieder abgenommen. Da ich jedoch meine Artillerie gleich im Anfang so plaziert hatte, daß sie den Feind schon gehalten, weiter als bis an den Kirchgraben und dieser Friedhofmauer vorzudringen, weil ich denn immer zurückgeworfene Infanterie hinter der Artillerie formierte und durch frische Truppen wieder ablösen ließ, so hatte ich es bis 5V2 Uhr wieder dahin gebracht, mich zum 2. Mal zum Meister von Gr. Aspern zu machen und den Feind mit Verlust daraus zu vertreiben. Während dieser 2. Wegnahme von Gr. Aspern waren auch die übrigen Kolonnen bis auf das Reservekorps zu sehen und der E. H. Generaliss. K. H. war eben zu mir gekommen, als ich zum 2. Mal Aspern genommen hatte