Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 181 Am 16. Mai kamen S. Majestät selbst zu mir nach Stammersdorf, um von der Anhöhe des Bisambergs den bei Wien gelagerten Feind zu sehen und sich von dem Stand meiner Truppen zu überzeugen. Ich empfahl Höchstdemselben, diese braven Truppen, welche so oft und brav mit dem Feind gerauft, zu belohnen und Höchstderselbe gab auch bei dieser Gelegenheit seine Zufriedenheit zu erkennen. Den Fürsten Reuß, welcher die ganze Zeit unter meinem Kommando gestanden, vergaß ich nicht, der Gnade S. Majestät anzuempfehlen. Ich erhielt von S. K. H. dem E. H. Generaliss. die Disposition für den 16. Mai, vermöge welcher ich mit meinen Truppen ganz so wie ich solche aufgestellt, stehen zu bleiben, nur aber das 2. Reservekorps zu dem 1. einrücken machen mußte. — Mir geschah hart, daß wegen dem Wohl­verhalten der Truppen unter meinem Kommando und wegen der durch ausgezeichnete Taten anempfohlenen Individuen weder eine Belohnung erfolgte, welches mich denn veranlaßte, S. K. H. dem E. H. Generaliss. eine bittliche Vorstellung zu unterlegen. — Den 17. Mai erhielt ich vom E. H. Generaliss. K. H. einen Befehl; um mich von dieser Nachricht zu überzeugen, verfügte ich mich selbst über Hirschstetten, Aspern und Eßling nach Stadl Enzersdorf und fand auch wirklich, daß der Feind Veranstaltung treffe, sich der Lobau und der anderen Inseln zu bemei- stern, alle möglichen Fahrzeuge zusammenzubringen, um eine Brücke zu schlagen. Während meiner Abwesenheit machte FML Kottulinsky den Bericht an den E. H. Generaliss. K. H. — Nach meiner Rückkehr erstatte ich dem E. H. Generaliss. K. H. (selbst) Bericht und nach den Umständen war nicht mehr zu zweifeln, daß der Feind ganz sicher von der Insel Lobau Besitz nehmen werde und es würde nicht allein notwendig, sondern wohl ganz vorteilhaft gewesen sein, wenn die Lobau, anstatt daß ich selbe nur schwach besetzen konnte, mit einem starken Korps wäre besetzt worden. — Wegen Belohnung der ausgezeichneten Individuen fand ich für notwendig, dem E. H. Generaliss. K. H. (noch) eine bittliche Vor­stellung zu machen. Solange die Eroberung der Schwarzen Lacken Au nur bloß als meine Geburt angesehen worden, war selbe, ungeachtet der Wahrheit, doch immer ein unbedeutender Gegenstand; allein in dem Augenblick, als jemand vom Hauptquartier die Besichtigung derselben vorgenommen hatte, erreichte selbe ihren vollen Wert. Den Beweis davon gibt der vom E. H. Generaliss. mir zugefertigte Befehl. Da jedoch bis zu dieser Anord­nung schon vieles geschehen war, so wurde nur in der Folge die Arbeit durch dazu bestimmte eigene Individuen betrieben. Zur nämlichen Zeit erhielt ich die Nachricht, daß, nachdem sich Napoleon zum Meister von Wien gemacht hatte, erklärte selber, daß er den Kaiser von Österreich samt seiner Deszendenz für unfähig halte, die­se Stelle zu verwalten und selben aus der Reihe dieser Monarchen ver­tilge. Durch eine öffentliche Proklamation wurden die Ungarn von Ihm

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