Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

180 Manfried Rauchensteiner in der dortigen Gegend liegenden Inseln besetzen. — E. H. Ludwig K. H., welcher bisher das 5. Armeekorps kommandierte, wurde krank und ver­fügte sich zurück. Ich übergab nach dem oben erwähnten Befehl (aus Ziersdorf) das Kommando dem Fürsten Reuß und verfügte mich den 14. Mai nach Stölzendorf zwischen Göllersdorf und Hollabrunn in das Hauptquartier zu dem E. H. Generalis». K. H. — Mit dem Bewußtsein, wohl mehr als meine Pflicht erfüllt zu haben und einer vorzüglichen Belohnung würdig zu sein, wurde ich von S. K. H. dem E. H. Generalis­simus sehr ernsthaft empfangen und mir wegen dem Treffen bei Lands­hut Vorwürfe gemacht; nachdem ich jedoch höchstdemselben alle einge­tretenen Umstände sowohl vor Landshut als auch vom 19. April bis zu diesem Tag schilderte, gab mir selber endlich seine Zufriedenheit zu er­kennen. Lange dachte ich nach, warum dieser Herr meine so ausgezeichneten Handlungen aus einem so schiefen Gesichtspunkt betrachtete; allein ich wurde gar bald durch die Anrede des FML Grünne und General Wimpffen überzeugt, daß ersterer und zweiter sich das Zutrauen von diesem Herrn zu nutzen gewußt, alle meine Handlungen in ein falsches Lieht zu stellen. Wie kränkend solche Behandlungen für mich sein mußten, kann nur der sich vorstellen, der im Stande, sich mit Lebhaftigkeit in diese Lage zu versetzen. — Ich mußte noch warten, weil der E. H. Generaliss. K. H. auf die Rückkunft des Obristen Smolla warben wollte, um mir sonach die weitere Disposition erteilen zu können. Da jedoch meine Maßregeln, welche genommen worden, ganz der Absicht angemessen waren, so bat ich den E. H. Generaliss. K. H. mich zu meinen Truppen zu entlassen, was denn auch geschah. Den 15. Mai erstattete ich dem E. H. Generaliss. K. H. Bericht und an eben diesem Tag erschien die Disposition über den Marsch der Armee vom nämlichen Tag. Auf meiner ganzen Strecke ergab sich außer kleinen Plänkeleien nichts Neues, nur lief die Nachricht ein, daß Wien sich dem Feind gegen Kapitulation ergeben habe. Auch S. Majestät, in der Vermutung, daß ich die ganze Gegend ver­lassen hätte, schickte den General Bubna zu mir, welcher große Ver­wunderung zeigte, als er mich in einer solchen Aufstellung fand; derselbe war angegen noch zufrieden mit der Versicherung, S. Majestät die Nach­richt zu bringen, daß bis zur Stunde noch nichts vom Feind die Donau übersetzt, im Gegenteil aber, daß ich die vom Feinde besetzte Schwarze Lacken Au demselben entrissen. — Den 16. Mai erstattete ich dem E. H, Generaliss. K. H. Bericht und erhielt von demselben aus Leobers- dorf nämlichen Tags Befehl. Nur glaubte ich, wäre es immer sehr vorteil­haft gewesen, da sich die Insurrektion bei Raab und Komorn bereits auf­zustellen anfing, anstatt ein so kleines Detachement von einem einzigen Regiment vielmehr ein ganzes Korps dahin (Preßburg) zu schicken, weil alle Nachrichten darin übereinstimmte, daß der Feind nach der Übergabe von Wien bedeutende Detachements nach Preßburg zu abgeschickt habe.

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