Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 163 folgte das, was ich befohlen und alles eilte in einem Marsch bis nach Neu­markt zurück. Während als ich mich mit der Arrieregarde abgab, während als ich besorgt war, alles in Ordnung zu halten und wirklich den nach­rückenden Feind durch die Bravour der Grenadiere und der Husaren da­hin gebracht hatte, daß er sich nach dem zweimaligen Angriff gar nicht mehr getraute, mich zu verfolgen, entstand bei Vilsbiburg ein solcher Alarm, daß alle Knechte sozusagen mit den Pferden fortritten, die Wagen umwarfen und auf diese Art ohne Ursache eine solche Unordnung zuwege brachten, welche mir ungeachtet aller nur möglichen Anstrengung in der Nacht um 9 Uhr nicht mehr möglich war herzustellen. Endlich erreichte ich Neumarkt um 1 Uhr in der Nacht und hatte alles- mögliche anzuordnen nötig, die Truppen in die Ordnung, um mit dem nachrückenden Feind zu raufen, bringen zu können, welches ich denn auch richtig zuwege brachte. Hier nehme ich mir die Freiheit, die gegründete Bemerkung zu machen, daß wenn nach meinem Antrag FML Jellachich in Moosburg wäre auf­gestellt worden, während ich zur Deckung der Unternehmung der Armee gegen Regensburg über Au, Mainburg und bis nach Rottenburg vorge­rückt, Marschall Massena, der seinen Angriff über Moosburg in meine Flanke und Rücken machte, würde mich nicht haben zwingen können, Landshut zu verlassen und dem Feind so viele Waagen zu opfern. — Gefangene bestätigten, daß Marschall Massena seinen Angriff von Moos­burg und der Kaiser Napoleon seinen von Rottenburg her auf Landshut machte. Daß Kaiser Napoleon den Angriff auf Landshut selbst leitete, beweist, weil er den 22. in der Früh in Landshut den Tagesbefehl selbst gegeben. — Ich fertigte von Landshut aus mit meinem Bericht an S K. H. den E. H. Generaliss. einen eigenen Kurier ab, der aber auch dem Feind in die Hände geraten und folglich hatte ich von diesem Augenblick an weder von dem E. H. Generaliss. K H. noch von FML Jellachich eine Nachricht. Nach solchen Tatsachen ist es doch nich schwer, den Beweis zu stellen und jeder wird selben leicht begreifen können, daß diese widrigen Ereignisse, welche den Grund zu dem ganzen traurigen Ausgang des Kriegs legten, bloß in übel berechneten Manövern und Operationen ohne Plan sich herleiten, und daß, wenn die Vorrückung der Armee nach der natürlichen ersten Aufstellung für die Operation nach Regensburg aus Böhmen und jene mit einem Armeekorps durch Tirol nach Füssen um so viele Tage eher geschehen wäre, als Napoleon die Streitkräfte noch nicht beisammen hatte und noch nicht wissen konnte, wo der Hauptschlag ge­schehen wird, alle diese widrigen Ereignisse nicht entstanden wären. Nachdem die Armee bei Regensburg und ich bei Landshut geschlagen war, erklärte Napoleon mittels öffentlicher Bekanntmachung den österreichi­schen Kaiser samt der ganzen Dynastie als abgesetzt und ausgestrichen aus der Ordnung der Souveräne. 11*

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