Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
162 Manfried Rauchensteiner fand und daß S. K. H. der E. H. Ludwig, oder besser zu sagen der ObristLt Geppert, welcher mit selbem schon in der Nacht allda anlangte, aber gar keine tätigen Veranstaltungen getroffen, noch in der Nacht so viel wie möglich dieser vielen tausende in Konfusion — wie es bei derlei Gelegenheiten zu geschehen pflegt — geratenen Fuhrwerke über das Defilee zu bringen, um mit den Truppen dem nachkommenden Feind den gehörigen Widerstand leisten zu können. Nur mit außerordentlicher Mühe gelang es mir, meine Artillerie, die Armee Kassen, eine Menge Bagage und die Pontons über das Defilee zu bringen; und kaum hatte ich die Truppen in die Aufstellungspunkte gebracht, als die Vortruppen des Feindes bereits bei Ergoldingen eingetroffen und meine dortselbst aufgestellten Truppen im Feuer waren. Bis V212 Uhr vormittags, den 21. April, war auch schon der größte Teil der feindlichen Truppen bei Landshut eingetroffen und nun wurde das Gefecht von dieser Seite allgemein und sehr ernsthaft. Inzwischen bot ich dennoch alles mögliche auf, um nur so viel wie möglich der Fuhrwerke über das Defilee fortzuschaffen und behauptete noch immer die Stellung von Ladshut. Allein um 1 Uhr nachmittags erhielt ich die Meldung, daß der Feind mit starken Kolonnen von Moosburg gegen Landshut in Marsch und bereits meine dahin auf der Straße ausgeschickten Detachements geworfen und sich zurückzuziehen genötigt hätte. Kaum war ich dahin geritten, um mich davon zu überzeugen, als mir schon selbst die feindlichen Plänkler auf einen Kanonenschuß von Landshut entgegen kamen. In dieser Lage blieb mir wohl nichts anderes übrig, als meine noch vor Landshut aufgestellten und mit dem Feind engagierten Truppen nach und nach über Landshut auf die Höhe zu ziehen und das noch nicht Gerettete dem Schicksal zu überlassen. Ich mahm meine Stellung auf der Anhöhe hinter Landshut. Der von Moosburg mich in der Flanke und respektive im Rücken genommene Feind wurde zweimal zurückgeschlagen; auch jener, der gerade über Landshut mich verfolgte, konte nicht weiterkommen. Überzeugt, daß ich in einer solchen Stellung gegen einen überlegenen Feind nichts auszurichten, nicht nur nicht im Stande wäre, sondern mich bei einem unglücklichen Ereignis vielleicht auch der Gefahr aussetzen, könnte, den größten Teil der Truppen aufzuopfern, ließ ich die FMLs Zusammenkommen und erteilte selben im Beisein des E. H. Ludwig K. H. den Befehl, sich in Ordnung bis Vilsbi- burg zurückziehen, dorten sich in der Position, wo bereits ein Offizier vom GQM Stab vorausgeschickt worden, aufzustellen und meine weiteren Befehle zu erwarten. Den E. H. Ludwig bat ich, dafür zu sorgen, daß die Truppen in Vilsbiburg, besonders welche den ganzen Tag im Feuer waren und gelitten hatten, ordentlich aufgestellt würden, während als ich mit den Grenadieren und dem Regiment Kienmayer Husaren die Arrieregarde führen und dafür sorgen werde, daß der Feind nicht nachzukommen vermöge. Allein ich weiß nicht aus was für Ursachen, der E. H. ritt mit dem ObristLt Geppert und Radossovich, dann alle übrigen, fort, niemand be-