Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
Das sechste österr. Armeekorps im Krieg 1809 161 auf der Chaussee und mußten selben angreifen, um ihn von da zu verdrängen, welches denn auch in kurzer Zeit durch den FML Vincent zu Stande gebracht worden. — Inzwischen als dieses geschah, langte die Brigade Weissenwolf auch an. Ich ließ mit dieser Brigade den Feind links angreifen und Obrist Cholitz vom GQM Stab führte den Angriff. Allein es war nicht viel auszurichten, weil ich denn kurz nach dem Angriff entdeckte, daß der Feind in mehreren Kolonnen anrücke, ja daß sogar die ersten die Hüte in die Höhe warfen; der erste Gefangene sagte nun aus, daß der Kaiser Napoleon selbst gestern, den 19. April, bei der Armee angekommen wäre. In dieser Lage blieb mir denn nichts anderes übrig, als auf alle mögliche Art mich den Tag hindurch in meiner Aufstellung selbst mit einiger Aufopferung zu erhalten, weil ich sozusagen im Angesicht der feindlichen Armee, ohne nicht ganz aufgerieben zu werden, an keinen Rückzug denken durfte. Es gelang mir auch durch die Bravour der Truppen, meine Position trotz der Stärke des Feindes zu erhalten und nur die einbrechende Nacht machte dem Gefecht ein Ende. In der Nacht zog ich mich sodann nach Dürrenfeld, von wo aus ich einen eigenen Offizier mit dem Bericht an S. K. H. den E. H. Generaliss. abfertigte, welcher aber, wie es sich in der Folge zeigen wird, in feindliche Gefangenschaft geraten war, nachdem die Kommunikation von mir und der Armee vom Feind bereits besetzt gewesen und mir kein sicherer Weg dahin mehr übrig blieb. Während als ich nun am 20. April den ganzen Nachmittag bei Rottenburg mit dem Feind raufte, erhielt ich von S. K. H. dem E. H. Ludwig keine Nachricht, weil mir sein Aviso erst spät abends, nachdem ich schon in Dürrenfeld war, (zukam). —- Nach solchen Ereignissen blieb mir freilich wohl nichts anderes übrig, als mich nach Landshut umsomehr zurückzuziehen und froh zu sein, daß ich mich den ganzen Nachmittag in meiner Stellung bei Rottenburg erhalten konnte, als ich von demjenigen, was bei der Armee vorgegangen keine Positive, doch aber jene Nachricht von Landleuten vernommen, daß unser linker Flügel der Armee mit Verlust wäre geworfen worden. Mein Verlust bei diesem Gefecht bestand in 811 Toten,Blessierten und Gefangenen; dagegen der Verlust des Korps bei Pfeffenhausen bloß allein bei den Warasdiner—St. Georger in 1013 Gefangenen und 25 Toten und Blessierten. Den 21. April mit anbrechendem Tag setzte ich mich mit meinen 2 Brigaden von Dürrenfeld auf der Chaussee gegen Landshut in Marsch und meine Arrieregarde wurde anfänglich gar nicht hitzig verfolgt, sodaß ich mich schon überzeugen wollte, der Feind habe seinen Operationen eine andere Richtung gegeben. Als ich bei Landshut eingetroffen, ersah ich zu meiner größten Verwunderung, daß das ganze Kolonnen-Magazin, die Pontons von der Armee, die Armee Bagage mit den Kassen, ein Teil vom Artillerie Train, dann 2 Divisionen von den Blankenstein Husaren, welche durch das ungünstige Ereignis tags zuvor von der Armee getrennt worden, alles vor Landshut über der Isar, folglich über dem außerordentlichen Landshuter Defilee in größter Unordnung sich beMitteilungen, Band 17/18 n