Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
160 Manfried Rauchensteiner Generalis«. Bericht. Während als die Truppen nach und nach einrückten, verfügte ich mich zu dem E. H. Ludwig K. H., um mich mit selbem zu besprechen. Ich verfügte mich auf die Vorposten und überzeugte mich, wie bereits in dem Bericht gesagt, daß der Feind seinen Marsch gegen Abensberg angetreten habe, welches ich eben, als ich mich auf die äußersten Vorposten verfügt hatte, mit eigenen Augen gesehen. Als ich von den Vorposten schon wieder zurückzureiten begriffen war, kamen mir schon von dem E. H. Ludwig K. H. an mich abgeschickte Offiziere mit dem Auftrag entgegen, daß derselbe wünschte, wegen eingegangener Nachrichten mit mir sogleich sprechen zu können. Bei meinem Anlagen zeigte mir derselbe die Meldung vom FML Schusteck und GenMj Thiery, daß selbe vom Feind bereits angegriffen worden wären und schwerlich der Übermacht werden widerstehen können. Der E. H. entschuldigte sich, daß sein Korps zu schwach wäre, diese Posten mit einer angemessenen Stärke zu unterstützen und dieses Argument wurde auch von dem Obristleutnant Geppert vom GQM Stab und dem ObstLt Korpsadjutanten Radossovich unterstützt. — Als Kommandierender würde ich wohl haben die Mittel gefunden, die nötigen Veranstaltungen zu treffen, ohne solche mit meinen Truppen, welche bereits drei volle Tage beständig marschierten und mit dem Feind zu raufen hatten, dazu zu bestimmen. Allein um der Sache den geschwindesten und entscheidensten Ausschlag zu geben, entschloß ich mich, mit 2 Brigaden und 2 Divisionen von Rosenberg Chev. Leg. selbst dahin zu eilen um den FML Schusteck bei Rohr zu unterstützen und zu verhindern, daß der Feind sich der bei Regensburg operierenden Armee nähern könne. Über diese Bewegung machte ich noch eben den Augenblick Bericht an den E. H. Generalissi. K. H., verfügte mich zu meinen Truppen, welche inzwischen schon etwas geruht und abgesessen hatten, setzten die Brigaden Weissen- wolf und Hofmeister nebst den 2 Divisionen von Rosenberg mit FML Vincent in Marsch gegen Rohr; ich angegen ritt um Zeit zu gewinnen mit dem Obristen Cholitz vom GQM Stab, dem Obristen Tasching von der Artillerie und dem Major und Korps Adjutanten Paumgarten den nächsten Fußsteig dahin, welchen die Truppen wegen der bei sich gehabten Artillerie nicht nachkonnten. — Meine Absichten waren, wie ich S. K. H. dem Generaliss. in meinem Bericht eröffnet hatte, diese, daß ich durch die Behauptung von Rohr wohl mehr als hinter der Laaber die Operation bei Regensburg zu decken im Stande wäre. Allein kaum war ich in die Gegend von Poetendorf gekommen, als ich schon eine ziemliche Anzahl Versprengter angetroffen, welche mir auf meine Frage die Antwort gaben, daß sie zu den Truppen des FML Schusteck, welche bei Rohr gestanden, gehörten, jedoch vom Feind geschlagen, General Thiery gefangen und dieses ganze Korps aufgerieben worden sei. — Diese Aussagen bestätigten sich auch in kurzer Zeit dergestalt, daß ich alle Mühe anwenden mußte, meine Truppen, welche bereits in Rottenburg angelangt waren, ohne gefangen zu werden, zu erreichen. Die Truppen fanden den Feind bei Rottenburg schon