Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 16. (1963)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

486 Walter Pillich 390 1729 Februar 24, Wien. Bewerber um Kammerdienerstellen bei der jungen Herrschaft: Fabricius Cerrini, kaiserl. Galerieinspektor und vorher Hofmusiker, 58 Jahre dienend, für seinen Sohn Thomas, der 12 Jahre in Löwen studierte und der französischen, niederländischen und lateinischen Sprache mächtig ist. f. 257 v. 391 1729 April 2, Wien. Margarethe Vitali, Witwe nach dem Hof-Theatral-Adjutanten Johann Bap­tist Vitali von Löwenfeld, erhält ab 1. Oktober 1728 eine jährliche Pension von 200 Gulden bewilligt. f. 279 v. 392 1729 April 2, Wien. Maria Elisabeth, 28 Jahre alt, und Joseph Caspar, 17 Jahre alt, Kinder des Matthias Steindl, kaiserl. Beinstecher durch 39 Jahre und im April 1727 verstorben, haben am 12. November 1728 um Pension nach ihrem ver­storbenen Vater angesucht. Sie wurden nebst ihrer verheirateten Schwester und ihrem 22jährigen Bruder am 21 März 1728 mit diesem Gesuch abge­wiesen. Die Verlassenschaft nach ihrem Vater betrug insgesamt 2030 Gul­den 33% Kreuzer, wovon nach Abzug des Hausrates nur 1800 Gulden Bar­geld verblieben. Hievon erhielten neben den vier genannten Kindern auch ihre 4 geistlichen Brüder ihren Anteil, sodaß für jedes Kind 225 Gulden verblieben. Hievon kann der Lebensunterhalt nicht bestritten werden, zumal laut ärztlichem Zeugnis die ältere Tochter Maria Elisabeth von Geburt kränklich und daher nicht imstande sei, sich selbst zu erhalten. Der jüngere Sohn Joseph Caspar sei erst jetzt zu einem Malermeister gegen Lehrgeld von jährlich 100 Gulden in die Lehre gekommen. Es möge der ältesten Tochter, die wegen ihrer Krankheit kaum ein hohes Alter erreichen dürfte, eine Gnadenpension gereicht und dem jüngeren Bruder das Lehrgeld für 2 Jahre bezahlt werden, damit er seinen geringen elterlichen Erbteil nicht völlig verwenden müsse und auch für Bekleidung und anderes ausgeben könne. — Bescheid, daß der älteren erwerbsunfähigen kranken Tochter Maria Elisabeth Steindl ab 1. Oktober 1728 ein jährliches Subsidium charitativum von 75 Gulden drei Jahre lang und dem 17jährigen Sohn Joseph Caspar Steindl das Lehrgeld von 200 Gulden zur Erlernung der Malereikunst zu Händen seines Lehrmeisters Johann Georg Schmid, in 2 Jahren zahlbar, bewilligt wird. Der Hofkontrollor hat hierüber für beide Steindlschen Kinder die Anweisung auszufertigen. f. 290 v — 291 v. 393 1729 April 19, Wien. Liste der Klagegelder für den am 27. März 1729 verstorbenen Herzog Leopold Joseph Carl von Lothringen: Beim kaiserl. Hofstaat: 1 Schatzmeister (Heinrich Uwens) 36 Gulden. f. 294 v. 394 1729 Juli 3, Wien. Johann Drewes, Kammergoldarbeiter der Königin von Spanien, 74 Jahre alt, wurde im Dienste des königl. Stallmeisters und jetzigen kaiserl. Truch­seß Baron van der Varent bei Anwesenheit des Kaisers in Spanien nach dem Entsatz von Barcelona und dem Marsch gegen Kastilien 1706 mit geheimen Briefen an den Kaiser abgeschickt und verblieb, da er nicht mehr zur Königin zurückkehren konnte, am Hofe zu Barcelona. D. kann wegen schwerer Krankheit heute nicht mehr arbeiten, hat am 4. Dezember 1728 für das am 9. April 1725 mit 50 und 20 Gulden erhaltene Almosen gedankt und die am 22. Juni 1726 erteilte Anweisung von der Sicherheits-

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