Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 16. (1963)
PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780
Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637—1780. (III. Teil) *) Von Walter Pillich (Wien). 10. Hofparteienprotokoll 1723—1725. 309 1723 Jänner 13, Wien. Ferdinand Bibiena, kaiserl. erster Theatral-Architekt und Ingenieur, bittet wegen hohen Alters und Erblindung, seinen Posten seinem Sohne Joseph Bibiena, kaiserl. zweiten Theatral-Ingenieur, und dessen Stelle dessen Bruder Antonius Bibiena zu verleihen. Luigi Pio di Savója, kaiserl. Musikdirektor, äußert in seinem Bericht dagegen keine Bedenken und stellt den beiden Söhnen B. das beste Zeugnis aus. Das Obersthofmeisteramt hat dagegen, soweit es den Dienst betrifft, ebenfalls nichts einzuwenden. Die Besoldung des Ferdinand B. wäre aber für dessen Sohn Joseph B. zu groß, weil unter Kaiser Leopold I. und Joseph I. der kais. Architekt Ludwig Burnarcini, der zugleich kais. Truchseß und später kaiserl. Mundschenk war, nicht mehr als 1080 Gulden Besoldung erhielt und der kaiserl. Garteningenieur Johann Trehet nur 1400 Gulden, der Architekt und Kammerstatuarius Conrad Rudolph 1500 Gulden, der Ingenieur und Oberbau-Inspektor Bemard Fischer von Erlach 2000 Gulden und dessen Sohn (Joseph Emanuel) nur 1500 Gulden jährlich Besoldung erhielten. Der Kaiser möge daher die Besoldung für Joseph und Anton B. nach der Resignation Ferdinand B.s bestimmen. f. 4 v — 6 v. 310 1723 März 6, Wien. Mathias Stiller, kaiserl. Untertapezierer, bittet um die durch das Ableben des Wenzel Marcellini freigewordene dritte Tapeziererstelle und die damit verbundene Besoldung. Johann Christoph Partman, kaiserl. Titular-Unter- tapezierer, bittet in Ansehung seines 17 jährigen Dienstes und der gleichen Dienstverrichtung wie Mathias Stiller um die gleiche Besoldung und Kostgeld. Der Hofkontrollor meint, daß zur Zeit Kaiser Leopolds I. insgesamt 4 Tapezierer, zur Zeit Kaiser Josephs I. nur 3 Tapezierer und jetzt gar 5 Tapezierer beschäftigt werden. Das Obersthofmeisteramt rät, wieder auf den leopoldinischen bzw. josephinischen Stand der Tapezierer zu kommen und die beiden Ansuchen ahzulehnen. Res.: Placet, wie geraten. f. 40 v — 42 r. 311 1723 März 6. Wien. Peter Tratter, kaiserl. Supemumerari-Tapezierergehilfe, bittet um Ausfertigung der Besoldungsverordnung, weil er noch keinen Lebensunterhalt • hat, da Gräfin von Stadel, Kammerfräulein der Kaiserin, an seiner Stelle *) Bisher erschienen in den „Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs“ der I. Teil in Band 12 (1959), Seite 448—478, und der II. Teil in Band 13 (1960), Seite 518—540.