Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 16. (1963)
BENNA, Anna Hedwig: Eine Wiener Ratsliste und das Wiener Stadtrecht von 1340
Eine Wiener Ratsliste und das Wiener Stadtrecht von 1340 15 zur Bestätigung der hergebrachten Rechte und guten Gewohnheiten noch zur Erlassung neuer Satzungen durch die Landesfürsten91). Das Stadtrecht Albrechts II. von 1340 erging als Satzung92 93), anerkannte aber auch die Gültigkeit der älteren Stadtrechte 9S), sowie die Subsidiarität des ungeschriebenen Gewohnheitsrechts94), vor allem für den Bereich des städtischen Gerichtes. Zusammen mit dem Stadtrecht Albrechts I. von 1296 erscheint es in der kópiáién Überlieferung, vor allem in dem als Eisenbuch bekannten Wiener Statutenbuch. Es kann in diesem Zusammenhänge nicht auf die noch offenen Fragen der Anlage des Eisenbuches 95) eingegangen werden, es soll aber darauf hingewiesen werden, ir rechten und guten gewonheit. Über den Gebrauch von an rechte behalten vgl. Deutsches Rechtswörterbuch 1 (1914) Sp. 1439, 1440. 91) Daß sich Friedrich d. Sch. offenbar scheute, neue Satzungen ergehen zu lassen, beweist die Notiz über die Eröffnung des Stadtbuches von 1320 über die Eintragung von Ratsweistümern in das versiegelte Buch (Druck bei Otto H. Stowasser, Beiträge zu den Habsburger Regesten II, Die Entstehungszeit des Eisenbuches der Stadt Wien, MIÖG. Erg. 10, 1928, 21 daz für uns chomen unser lieben getriwen purger zu den Zeiten des rates inser stat zu Wienn und paten uns innerchlich durch got, daz wir ansehen mit unsem gnaden den grozzen gepresten und den irresal der vergezzen recht in unser stat zu Wienn, di mit den alten purgern nahen abgestorben warn, und in des ain auzchunft gaeben nach unser lantherm rat, di zu den Zeiten unsers rats warn, also daz der geprest der vorgenanten unser stat wider erleuchtet wurde mit vollem recht an gericht, an maut und an allen Sachen, di unser stat und allen den, di darzu wandeint auz allen landen, nützleich und gefurleich waern, also daz furbaz in und den gesten dehain irresal aufstünde. Do beriten wir uns mit unsern lanthern und auch mit in selben, wie wir in daz bestetigeten, und bevestigeten, also daz di recht, der si von unsern gnaden gerten, mit samt den rechten, di si emaln von uns und von unsern vordem gehabt habent, staet und unzerbrochin beliben, daz si ein recht puch solten haben und daran schreiben alle die recht, di si mit gemainem rat und pei dem aide, den si uns geschworen habent, erfunden, stet und unzerbrochen furbaz ewichlich behalten solten dem armen als dem reichen. Und dazselbe puch haben wir in gegeben zu ainer ewigen vestigung aller der rechten, di daran geschriben stent und noch geschriben werdent, versigeit mit ir stat insigel ...). Zur Eröffnung des Eisenbuches vgl. Heinrich Demelius, Zur Entstehung des Wiener Eisenbuches, JB. V. G. St. W. 14 (1958) 47 ff., 92) Vgl. die Fassung der Art. 1—5, 18, 21, 30—33, 37, 39, 40, 48, 51—57, 60, 61, 74, 79 (Tomaschek I, n. XXXVII, S. 104). 93) Ebenda S. 116, Art. 80 ... wir nemen ouch den obgenannten unsern purgern zw Wienne mit der hantfest nicht ab die recht, die in irr alten hantfest geschriben stent ... Vgl. Geyer, MIÖG. 58, 593. 94) Ebenda Art. 80 (Tomaschek I, n. XXXVII, S. 116. Die andern Sache alle, die an dem marcht des gerichtes erscheinent, die man pilleich richten und pezzern sol . und die an dieser hantfest nicht beschaiden sint noch gesatzt, die sol man richten nach den alten rechten und der stat gewonheit). Das Satzungsrecht des Rates, das in Rudolfinum I, Art. 60 (Tomaschek I, n. XV, S. 50) stipuliert war, ist hier beseitigt. Vgl. Voltelini, Jb. LK. NÖ. 13/14, 296. Walter I, 114. 95) Eine genaue, verbesserte Inhaltsübersicht über den bis 1434 reichenden Teil des Eisenbuches gibt Stowasser, MIÖG. Erg. 10, 35—37. Zum paläogra-