Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 16. (1963)

BENNA, Anna Hedwig: Eine Wiener Ratsliste und das Wiener Stadtrecht von 1340

14 Anna Hedwig Benna Eine Neuredaktion des im Rudolfinum I enthaltenen Normenkomplexes erfolgte erst 1340 auf Veranlassung von Bürgermeister, Rat und Bürger­gemeinde; das Rudolfinum I hatte, abgesehen vom Niederlagsrecht, das von Albrecht I. schon 1281 zu Ungunsten der Wiener abgeändert worden war85), von Friedrich d. Sch. aber 1312 wieder zu Gunsten der Wiener wiederhergestellt worden war 86), seine Gültigkeit behauptet, wie die Be- widmungen für Krems-Stein 1305 und Korneuburg 1311 beweisen. Gemes­sen an dem von Rudolf III. 1305 Krems-Stein verliehenen Stadtrecht87), in dem bereits Artikel enthalten sind, welche in Wien erst 1340 auf tau­chen88), erfolgte die Neuverleihung für Wien verhältnismäßig spät. Von Rudolf III. erhielt Wien sicherlich kein Stadtrecht. Das Fehlen jeglicher Spuren originaler und kopialer Überlieferung derartiger Urkunden, der Mangel an Hinweisen auf Vorurkunden Rudolfs III. im Stadtrecht von 1340 selbst, lassen die Existenz eines Wiener Stadtrechtes aus den Jahren 1299—1305 unmöglich erscheinen. Auch aus den Krems-Steiner Stadtrech­ten von 1305 läßt sich das Bestehen eines Stadtrechtes Rudolfs III. für Wien nicht herauslesen, es scheint vielmehr nur die Tatsache, daß Herzog Rudolf den Wienern die ihnen von seinem Großvater König Rudolf I. und seinem Vater König Albrecht I. verliehenen Stadtrechte beließ, völlig ge­sichert89). Die Wiener befanden sich zum Zeitpunkt der Bewidmung von Krems-Stein mit den Stadtrechten Rudolfinum I von 1278 und dem Stadt­recht Albrecht I. von 1296 im ungeschmälerten, ruhigen Besitz dieser Rechte. Dies dürfte auch unter den folgenden Stadtherren und Landes­fürsten bis herauf zu Albrecht II. der Fall gewesen sein 90). Es kam weder 85) Graf Albrechts von Habsburg Niederlags- und Stapelrecht für Wien, 1281 Juli 24, Wien (Schwind-Dopsch, n. 64, S. 126—129). Vgl. Theodor Mayer, Zur Frage des Wiener Stapelrechtes, VSWG 10 (1912) 356, 358, 359, 374, 375. Vancsa 2, 61. Walter 1, 106. Geyer, MIÖG. 58. 603. Gutkas, Geschichte des Lan­des Niederösterreich 1, 60. 89) Herzog Friedrich I. für die Wiener Bürger, Krämer und Kaufleute, 1312 September 8 (Tomaschek I, n. XXVI, S. 88—89). Vgl. Mayer, VSWG 10, 359. Vancsa 2, 97. Walter 1, 128. Alfons Dopsch, Die Ständemacht in Österreich zur Zeit Friedrichs des Schönen) (1313), MIÖG 52 (1938) 266. 87) Vgl. oben S. 7. 88) Im Stadtrecht Krems-Stein I (1305), FRA III/l, n. 21, I, Art. 46, 47, 56—59 und n. 21, II, Art. 32, 33, 34, welche den Art. 54, 64—67, 68, 71, 72 des Stadtrechts Albrechts II. für Wien von 1340 entsprechen. Zum Stadtrecht Albrechts II. für Wien 1340 Art. 54 vgl. Heinrich von Srbik, Die Beziehungen von Kirche und Staat in Österreich während des Mittelalters, Forsch, zur inneren Gesch. Öster. 1, 1904, S. 172. Geyer, MIÖG. 58, 593. Zur zeitlichen Priorität der Aufzeichnung der Rechte der Bäcker, Fleischer, Fischer, Saitkäufer, der Be­stimmungen über Maße und Ausschank von alkoholischen Getränken im Stadt­recht Rudolfs III. für Krems-Stein von 1305 gegenüber Wien. Vgl. Geyer, MIÖG. 58, 593, 594, Jb. V. G. St. W. 12, 253, 254. 89) Vgl. oben Anm. 51. 90) Vgl. Niederlagsrecht Herzog Friedrichs d. Sch. für Wien, 1312 Septem­ber 8, Wien (Tomaschek I, n. XXVI, S. 88) ... daz wir si behalten wellen an

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