Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen
606 Rezensionen die Möglichkeiten einer Entwicklung der ständischen Restauration nach dem Todes Josephs II. im Sinne einer grundlegenden Neuerung; dann jedoch vor allem in dem Abschnitt über den Einfluß der Französischen Revolution, der offenbar doch wesentlich stärker war, als eine vorwiegend auf die Akten der Wiener Zentralbehörden gestützte Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung bisher erkennen ließ. Das gleiche gilt dann erst recht für die Zeit des Vormärz, da sich in der Stille bereits jene Scheidung der Geister und Ausbildung der verschiedenen politischen Strömungen vollzieht, die dann 1848 ans Tageslicht tritt und von da an, über die Epoche dies Neoabsolutiismus hinweg, bis zur Gegenwart die politische Struktur des Landes wie ganz Österreichs bestimmt. Für die Richtigkeit der einst von Heinrich von Srbik vertretenen These, daß man kaum von einer wirksamen geistigen Absperrung gegenüber dem „außerösterreichischen Deutschland“ im Vormärz sprechen könne, ergeben sich dabei, und zwar innerhalb aller sich allmählich formierenden politischen Gruppierungen, viele überzeugende Beweise, wobei allerdings hier aus geographischen und historischen Gründen die Verbindung zum benachbarten Bayern von Haus aus enger war, als das bei den meisten anderen Kronländern der Fall sein konnte. An der Gestalt des josephinischen Linzer Polizeidirektors Albert Graff, andererseits an der des kämpferisch antijosephinischen Bischofs Gregor Thomas Ziegler von Linz, werden Bedeutung und Begrenzung der Nachwirkungen josephinischen Geistes im 19. Jahrhundert sichtbar. Das Jahr 1848 offenbart dann bereits die politische Gliederung des Landes mit einem bemerkenswert starken, innerhalb weniger Monate sich vollziehenden Hervortreten der Bauernschaft. Herrschte unter den am 25. April gewählten 14 Abgeordneten für die Frankfurter Nationalversammlung noch das städtisch-intellektuelle liberale Element vor (wobei immerhin der Bauer Georg Englmaier der einzige Kleinbauer in der Pauls- kiirche war), so ergaben die Ende Juni stattfindenden Wahlen zum österreichischen konstituierenden Reichstag bereits zur großen Überraschung weiter Kreise drei Viertel (12 von 16) bäuerlicher Volksvertreter. Interessant ist auch, gerade im Vergleich zu den niederösterreichischen Ständen, die bei Vorbereitung und Auslösung der Revolution eine so wichtige Rolle gespielt hatten, dann aber sogleich in den Hintergrund gedrängt wurden, die ganz andere Rolle der oberösterreichischen Landstände, die bei der Auslösung der Revolution nicht hervortraten, andererseits aber dann, durch Heranziehung bürgerlicher Vertreter, die Umwandlung aus dem alten Ständetag in ein modernes Parlament einleiteten. Sehr aufschlußreich ist auch das Kapitel „Der Nachklang des Jahres 1848“ mit der bemerkenswerten Feststellung des Statthalters Fischer, daß man bei der Statthalterei in Linz erst im Herbst 1850 in Erfahrung gebracht habe, „daß der Wind von anderer Seite ziehe“. Auch für die oft geleugnete und doch unbestreitbare Beziehung zwischen religiöser (evangelischer) und politischer (liberaler) Opposition, bietet Sturmberger interessante Belege, ebenso für die starke, auch in der Auswanderungsbewegung der Fünfzigerjahre zum Ausdruck kommende, unterirdische Oppositionsstimmung, die dann in der Handels- und Gewerbekammer ihr wichtigstes Instrument fand. Ein Kabinettstück knapper und doch gewissenhafter Charakterisierungskunst ist