Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen

Rezensionen 607 dem Verfasser dann mit dem Porträt des umstrittenen „anderen Bach“, des Statthalters Eduard Freiherrn von Bach, des Bruders des Ministers, gelungen. Mit dem Inkrafttreten der Landesordnung von 1861 und dem dadurch vollzogenen endgültigen Eintritt Oberösterreichs in die Aera des parla­mentarischen Lebens schließt die Darstellung. Wenn der Autor, bestimmt durch das Jahrhundertjubiläum von 1961, das den äußeren Anlaß für die Entstehung der wertvollen Studie bot, im Rückblick den behandelten Zeit­raum als die „große Wartezeit“ von der Französischen Revolution über 1848 bis zu diesem Jahre 1861 bezeichnet und mit den Worten schließt „Der Weg, der von der großen Revolution ausgegangen war, hatte zum Ziel geführt“, so drängt sich dem nicht mehr in der Hochstimmung des Jahrhundertjubiläums stehenden Leser die beklemmende Frage auf, ob diese sieben Jahrzehnte von 1792 bis 1861, die Epoche der franziszeischen Reaktion, der ferdinandeischen „Monarchie ohne Kaiser“ und des, trotz bedeutender Einzelleistungen sich doch schließlich als Irrweg erweisenden neoabsolutistischen Experiments für den Gesamtstaat nicht einen nie wieder einzubringenden Zeitverlust darstellten. Das aber ist wohl ein letzter, kaum mehr nötiger Beweis für das hohe Niveau und die grund­legende Bedeutung dieser vorbildlichen Studie, daß sie zu solchen, über die engere Aufgabe der Geschichtswissenschaft hinausführenden Fragen anregt. Adam Wandruszka (Köln). Burian Peter, Die Nationalitäten in Cisleithanien und das Wahlrecht der Märzrevolution 1848/49. Verlag H. Böhlau, Wien, Graz, Köln 1962; Veröffent­lichungen der Arbeitsgemeinschaft Ost, Band 2, 239 Seiten. Diese von Professor Schieder angeregte, gründliche Arbeit stellt einen wertvollen Beitrag zur Frühgeschichte des österreichischen Nationalitäten­problems im Rahmen der Revolution von 1848 und der Reichstage von Wien und Kremsier dar. Soweit die Studie sich mit der allgemeinen zeitgenössi­schen Problematik der nationalen Fragen befaßt, fußt sie natürlich weit­gehend auf den grundlegenden Forschungen von Josef Redlich, Alfred Fischei und K. G. Hugelmann. Anzumerken wäre hier, daß Burian richti­gerweise das Schwergewicht auf die Untersuchung der Stellung des Slawen­tums verlegt, die im Mittelpunkt des Ringens um die österreichische Ver­fassung in Kremsier stand. Doch ist auch die deutsche nationale Frage in Österreich in ihrer Doppelstellung eines schon in seiner Herrschaft bedroh­ten, im wesentlichen toleranten Zentralismus und des aufstrebenden Radi­kalismus durchaus richtig gesehen. Die eigentliche und in vielem originelle Leistung Burians liegt aber in der Untersuchung des Wahlrechtes in den Kronländern und hier insbeson- ders der Entwicklung von den Provinzialständen zu Landtagen als moder­nen parlamentarischen Vertretungskörpern, eine Entwicklung, die aller­dings selbst zur Zeit des Unterganges der Monarchie im Jahre 1918 noch keineswegs abgeschlossen war. Im Rahmen einer kurzen Besprechung kann hier leider nicht näher auf die verschiedenen, vom demokratischen Stand­punkt gewiß höchst unvollkommenen, aber doch im ehrlichen Bemühen geschaffenen Kompromisse zwischen nationalem Proporz, Besitzzensus,

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