Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

ERNST, August: Der Hoftag in Eisenstadt 1392

Der Hoftag in Eisenstadt 1392 85 dg. Osl. die Angelegenheit zu untersuchen und falls die Streitobjekte tat­sächlich im Gebiet von Lutzmannsburg liegen sollten, diese ungesäumt dem Abt zu übergeben33). Dagegen haben die Herrschaftsuntertanen Einspruch erhoben und es entstand daraus ein langwieriger Prozeß34 *). Auch König Ludwig nahm sich noch vor seinem Tode in seiner Eigenschaft als Be­schützer und Patron der Kirche des Königreiches dieser causa an und be­auftragte das Eisenburger Kapitel, die Klage des Abtes Christian III. gegen die Bürger und hospites von Güns, die einen großen Teil des Abteilandes in Mannersdorf 3ä) an der Güns und gegen die „hospites und iobagiones“ des königlichen Dorfes Lutzmannsburg36), die einen anderen Gebietsstreifen des Abteibesitzes, Ombus 37) genannt, besetzt halten, gemeinsam mit dem iudex curie Nikolaus Szecsi zu untersuchen38). Der noch in diesem Jahre eingetretene Tod des Königs und die darauffolgenden Thronwirren ließen die Angelegenheit im Sande verlaufen. Abt Nikolaus I. versuchte neuerdings die Rückgewinnung dieser Ge­biete. Da aber auch der Beauftragte der Königin, der Palatin Stefan Csák­tornyái, nicht imstande war, den Streit zu schlichten, wandte sich der Abt an König Sigismund selbst. Der König vertrat den Standpunkt seines Vor­gängers Ludwig des Großen und beauftragte 1391 Nikolaus VI. Kanizsai unter Beiziehung des Eisenburger Kapitels eine friedliche Regelung zu er­zielen. Mit Schreiben vom 10. Jänner 1392 leitete nun Nikolaus die Wieder­aufnahme des Prozesses ein, indem er den Abt und die Günser vor den Hof- und Gerichtstag des Königs nach Eisenstadt zitierte. Mittlerweile hatte aber Sigismund seine Meinung abermals geändert; die Vertreter der Abtei mußten unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren. Diese plötzliche Sinnesänderung des Königs darf uns nicht in Erstaunen setzen, zumal er noch im selben Jahre dem Wesprimer Kapitel den Auftrag erteilte, den ehe­maligen Banus Nikolaus und dessen Bruder Johann, Söhne des verstorbenen Palatins Nikolaus Gara, die sicherlich am Hof tag in Eisenstadt teilnahmen, in die drei Burgen, nämlich die zwei von Güns mit der befestigten Stadt und Csesznek, unter dem Rechtstitel eines Tausches einzuführen39). Wenn wir aber wissen, daß der Vater dieser beiden Brüder, der Palatin Nikolaus Gara, unter Aufopferung seines Lebens die beiden Königinnen Elisabeth undMaria, die Gattin Sigismunds, gegen die Aufständischen schützte 40) und die beiden Brüder selbst mit ihren Banderien bei der Befreiung der Königin und der Befriedung des Königreiches wertvolle Dienste geleistet hatten, 33) 1381 V 5. Fejér CD, IX/5, 516; Kovács a. a. O., 88 und 255 n. XXIII. 34) 1381 VIII 22. Fejér CD, IX/5, 469; Kovács a. a. 0., 88 und 256 n. XXIV. sj) Bez. Oberpullendorf, Bgld. 36) Bez. Oberpullendorf, Bgld. *r) Wüstung bei Lutzmannsburg. 38) 1382 III 27. Kovács a. a. 0., 257 n. XXV. 39) 1392 VIII 16, Temesvár. Sopronvm. okit. I, 508 n. 356; Mályusz a. a. O., 282 n. 2598. 40) Fessler-Klein a. a. O., 246.

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