Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps

Österreich und das mexikanische Freikorps 75 sehen und Europäern gemischt zusammengesetzten Truppenkörper der kaiserlichen Streitkräfte, dienten gegen 200 Österreicher. Ein Teil von ihnen wollte jetzt ebenfalls heimkehren, obwohl sie ja zu einer sechs­jährigen Dienstzeit verpflichtet waren und, da sie schon vorher freiwillig aus dem österreichischen Korps in die Nationalarmee übergetreten waren, von dessen Auflösung nicht betroffen wurden. Sie wandten sich an den Gesandten, der tatsächlich ihre Entlassung erreichte und sie in der Stärke von 80 Mann zur Küste schickte. Auf dem Marsch dorthin wurden sie je­doch von juaristischen Guerillas überfallen und gefangen. Dieses traurige Ereignis wurde ebenfalls von den Offizieren in der bereits erwähnten Schrift Lago zur Last gelegt, während dieser die Schuld bei den kaiser­lichen Militärbehörden sah, da diese die Verhandlungen so lange hinaus­zogen, daß die Gendarmen den Anschluß an die französische Armee ver­säumten, und ihnen außerdem ihre Waffen nicht beließen. Die übrigen heimkehrenden Österreicher zogen mit dem französischen Heer nach Veracruz und wurden hier in der zweiten Februarhälfte in 4 Transportschiffen abgeschickt. Es handelte sich hierbei um rund 3.600 Mann. Weitere 800 waren in kaiserlichen Diensten verblieben, gegen 1000 schätzte Lago die Zahl der in Gefangenschaft befindlichen oder in republikanische Kriegsdienste übergetretenen und etwa 100, die als Zivilisten in Puebla ihr Unterkommen suchten51). Der bevorstehenden Ankunft der Exlegionäre wurde von den Behörden in der Heimat keineswegs mit Freude entgegengesehen. Das Polizeimini­sterium stellte Erwägungen an, wie man die „lästigen Gäste“ aus Triest mit möglichst geringen Kosten in ihre Heimatorte abschieben könne52), die sich jedoch durch die Maßnahmen des Kriegsministeriums erübrigten. Es wurden militärische Übernahmskommissionen in Triest, wohin die größ­ten Transporte direkt aus Mexiko dirigiert wurden, und in Salzburg, wo verschiedene kleinere, über Frankreich geleitete Gruppen erwartet wurden, gebildet. Der diensttauglichen Mannschaft des aufgelösten Freiwilligen­korps war freigestellt, mit zweijähriger Dienstverpflichtung in das öster­reichische Heer einzutreten, gleichgültig, ob sie österreichischer oder aus­ländischer Staatsbürgerschaft seien. Aus den hiebei angeworbenen Leuten sollte nach einer Entschließung Kaiser Franz Josephs vom 22. März ein eigenes neues Jägerkorps gebildet werden, das zur Stationierung in Süddal­matien bestimmt war. Das Offizierskorps der österreichischen Legion hatte nach ihrer Auflösung noch aus Mexiko an Franz Joseph zwei Bitten gerich­tet: Nämlich im Gegensatz zu den Bestimmungen der Konvention vom 19. Ok­tober 1864 erstens die in die österreichische Armee wieder eintretenden Offiziere in dem Rangverhältnis einzustellen, in dem sie jetzt bei ununter­brochenem Dienst stünden, und zweitens, die erst in Mexiko zu Offizieren Beförderten ohne Verlust dieses Standes in die heimatliche Armee auf­51) Lago an Beust, 26. 2. 1867. HHStA, PA 34, 5. 52) AVA, 2.142 —MI/1867.

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