Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps
76 Andreas Cornaro zunehmen53). Das erste Gesuch wurde abgewiesen, dem zweiten kam der Kaiser etwas entgegen. Es wurde nämlich festgesetzt, daß von den Offizieren des mexikanischen Korps, die keinen Anspruch auf Übernahme in österreichische Dienste hätten, ein Teil bei dem neu zu errichtenden Jägerkorps zeitlich als Offiziere eingereiht werden sollten. Bei Bewährung war ihnen nach zweijähriger Dienstzeit die definitive Übernahme zugesagt. Diejenigen von ihnen, die bei den systemisierten Offiziersstellen des Jägerkorps nicht unterzubringen wären, sollten als Subalternoffiziere auf- genommen werden. Mittellose Offiziere, die nicht in kaiserliche Dienste treten wollten oder konnten, sollten 100 fl. Reisegeld auf Rechnung der ihnen noch von der mexikanischen Regierung geschuldeten Summen ausgezahlt werden. Die Mannschaft, die nicht in das österreichische Heer eintrat, war mit Entlassungspapieren zu versehen und auf dem Wege des Militärtransportsammelhauses in ihre Heimat zu instradieren54). Eine weitere Versorgung der Korpsangehörigen war nicht vorgesehen55). In Triest, wo die Zwischenfälle bei der Tampicoaffäre nicht vergessen waren, sah man der Ankunft der Exmexikaner besonders unfreundlich entgegen. Als es bekannt wurde, daß hier die Aufstellung des aus den mexikanischen Freiwilligen zu bildenden Jägerbataillons erfolgen sollte, ließ der Stadtrat den Innenminister Graf Taaffe telegraphisch ersuchen, die Übernahme der Heimkehrenden irgendwo anders, etwa wieder in Laibach, vorzunehmen. Als Gründe dafür wurden Furcht vor Einschleppung von Seuchen, Möglichkeit von Exzessen und Rücksicht auf die in Miramar weilende Kaiserin Charlotte angeführt. Das war Taaffe denn doch zu viel. Er ließ den ängstlichen Stadtvätern kurz mitteilen, daß es nun viel zu spät sei, alle Dispositionen abzuändern, daß die Leute streng kaserniert würden und nach Meldungen aus Algier, wo die französischen Transportschiffe zwischengelandet waren, keine ansteckenden Krankheiten an Bord herrschten. Auf den dritten Grund, der von der Stadt wohl nur vorgeschoben wurde, um in Hofkreisen nicht Anstoß zu erregen, ging er nicht ein56). Am 5. April lief die Fregatte „la Drome“ mit den ersten 1.150 Heimkehrern in Triest ein. Die Sorgen des Stadtrates wegen Seuchengefahr waren unbegründet, der Gesundheitszustand der Leute zufriedenstellend57). Klagen über Ausschreitungen bei der Ankunft scheinen nicht aufgetreten zu sein, die Sicherheitsvorkehrungen waren ausreichend, ja teilweise so übertrieben streng, daß sie von den verbitterten Heimkehrern als feindselig empfunden wuden58). Von der Mannschaft nahm nur ein Teil die 5S) Lago an Beust, 9. 1. 1867. HHStA, PA 34, 5. 54) AVA, 2.162 —MI/1867. 55) Verneinende Antwort auf eine diesbezügliche Anfrage der Tiroler Landesregierung. AVA, 2.542 — MI/1867. 56) AVA, 2.164 —MI/1867. 57) An Bord befanden sich nur 4 Kranke, u. zwar je ein Fall von Syphilis, Dysenterie, Tuberkulose und ein Beinbruch. AVA, 2.248 — MI/1867. 58) Fuchsberger, a. a. O., S. 419 ff.