Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände
Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände 389 Archiven, die Monumenta Boica, Wilhelm, Corpus der altdeutschen Urkunden und eine ganze Reihe anderer kleinerer Urkundenbücher zu finden. Mit der Zeit wuchs, weil Vorarlberg in Beziehung auf die Umgebung so schlechte Bibliotheksverhältnisse hatte, die Handbücherei weit über den Charakter einer solchen hinaus. Sie entwickelte sich, wenn auch infolge der Kleinheit des Landes nicht zu einer allgemeinen Bücherei, so doch zu einer Bibliothek, welche die heimatkundliche Literatur Vorarlbergs und die wichtigste Literatur der Bodenseeländer umfaßte. Das schon eingangs erwähnte Vorarlberger Landesmuseum besaß eine Bibilothek von einigen tausend Bänden. Nicht alles waren gekaufte Bücher, sondern sehr viele Geschenk- und Tauschstücke dabei. Daß darunter der systematische Aufbau einer Bücherei leiden mußte, ist klar. Das Vorarlberger Landesarchiv hat nun in den letzten Jahren mit dem Landesmuseum einen großen Tausch vollzogen. Das Landesmuseum ist seit 1945 ebenfalls eine landeseigene Anstalt, daher war die Durchführung des Tausches, die schon lange Jahre geplant war, aber weil das Museum früher Vereinsbesitz war, nie zur Durchführung kam, gegeben. Das Landesarchiv gab dem Landesmuseum alle kunstgeschichtliche und naturwissenschaftliche Literatur, während umgekehrt alles historische und in die Zwecke der Bibliothek des Landesarchivs einschlägige Material an uns angegeben wurde. Selbstverständlich kamen auch alle Archivalien und Codices zu uns, mit Ausnahme einiger illuminierter Missale, die ja nun die Besucher eines Museums einmal unbedingt sehen wollen. Auf diese Art haben wir es erreicht, daß die in Bregenz in öffentlichen Bibliotheken erfaßbare Literatur nach Disziplinen an zwei Stellen zu erreichen ist. Die Bibliothek wurde nach allgemeinen Richtlinien in Anlehnung an die Preußische Bibliotheksordnung katalogisiert. Freilich wurden in der Praxis einzelne Vereinfachungen, die sich aus unseren Verhältnissen ergeben, berücksichtigt. Das bedeutet aber durchaus keine Vereinfachung zum Nachteil des Benutzers. Bei Zeitungen und Zeitschriften z. B. gehen wir so weit, daß auch alle Aufsätze, die sich mit der Vorarlberger Heimatkunde in irgendeiner Form beschäftigen, in einer eigenen Kartei aufgenommen werden. Dadurch wird dem heimatkundlich Forschenden die Arbeit sehr erleichtert und stark verkürzt. Von allen Neuerscheinungen in Vorarlberg müssen nach dem Pressegesetz aus dem Jahre 1922 von den Verlegern bzw. Druckern an das Landesarchiv als Landesbibliothek Freistücke abgeliefert werden. Der Tauschverkehr des Vorarlberger Landesarchivs und des Vorarlberger Landesmuseums wird durch die heimatkundliche Zeitschrift „Montfort“ und durch das Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins durchgeführt. Beide Institute zusammen führen mit ungefähr 160 gleichgerichteten Vereinen den Tausch durch. So findet mancher Forscher und Studierende in Bregenz wenigstens einigermaßen in bestimmten Sparten Ersatz für die fehlende Studienbibliothek.