Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände
390 Meinrad Tiefenthaler Das Vorarlberger Landesarchiv ist aber nicht nur ein Archiv für die Bestände längst aufgelassener Behörden oder archivreifer Akten noch bestehender Ämter oder Depot für Gemeinde- oder Pfarrarchive, sondern, bedingt durch die Ämtervermehrung auch schon Aufbewahrungsort für die Registraturen der Ämter der politischen Verwaltung des Landes. Das hat den Nachteil, daß wertvoller Raum für neue Akten zur Verfügung gestellt werden muß, für Akten, die noch nicht skartiert sind und daher erheblich mehr Platz in Anspruch nehmen. Bei diesen Umständen ist. die Aktenausleihe an Behörden naturgemäß eine ganz andere und beträgt ein Vielfaches der sonstigen Aktenausleihe. In der frühzeitigen geschlossenen Ablieferung von Aktenbeständen liegt aber der große Vorteil darin, daß die Akten geordnet hereinkommen und zu gegebener Zeit vom Archiv selbst skartiert werden können. Nur noch einiges zu den älteren Beständen des Vorarlberger Landesarchivs. Bei der Aufstellung haben wir die Unterscheidung getroffen: 1. Urkunden, 2. Handschriften und Codices, 3. Akten. Auch räumlich liegen diese Abteilungen, wie aus den früheren Darlegungen zu entnehmen ist, auseinander. Die Urkunden, jede für sich in einem Umschlag, der das Ausstellungsdatum und die Archivnummer trägt, fordern eine andere Aufbewahrung als die Bücher und Akten. So war es, wenn auch nicht unmöglich, so doch unpraktisch, jedes Archiv bzw. jeden Archivkörper in seinem Gesamtbestand beisammen zu lassen. Die innere Gliederung der Archivbestände liegt in ihrer Herkunft begründet. 1. Archive der Herrschaften, Ämter und Stände; 2. Archive der Grafschaft Hohenems, der Herrschaft Blumenegg und der Probstei St. Gerold; 3. die Archive der aufgehobenen und aufgelassenen Klöster; 4. Zunft- und Alparchive; 5. Gemeinde- und Pfarrarchive; 6. Privatarchive; 7. die Registraturen vorarlbergischer Ämter. Das reichhaltigste Archiv des Landesarchivs ist das des Oberamtes und der Herrschaft Bregenz. Da es sich über Gebiete erstreckt, die seit 1814 bayerisch geblieben sind, nämlich das heutige Amtsgericht Weiler, ist dieses Archiv auch für den Allgäuer von Interesse. Die Verhörsportokolle reichen z. B. mit wenigen Lücken von 1617—1782, für die Wirtschafts-, Orts- und Familiengeschichte eine reiche Fundgrube. Natürlich fehlen die Lehenbücher, Urbare, Amtsrechnungen, Zinsbücher und Copialbücher nicht, wie sie ja auch bei anderen Herrschaften und anderen Archiven unter diesen oder ähnlichen Bezeichnungen Vorkommen. Von der Montforterzeit der Herrschaft Bregenz, also vor 1523 bzw. 1451, sind leider nur noch einige Urkunden und Bücher erhalten geblieben. Vor der Archivierung im Landesarchiv waren die Akten der Vogteiverwal