Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

388 Meinrad Tiefenthaler es unmöglich, mit der Sammelarbeit fortzufahren, denn zur jetzigen Zeit kann es sich der Beamte und Forscher nicht mehr leisten, auf eigene Kosten fremde Archive aufzusuchen. Daher ist es unerläßlich, daß die in fremden Archiven liegenden Archivalien photographiert werden. Die Urkunden­bücher, wenn solche überhaupt bestehen, bleiben meistens im 14. und 15. Jahrhundert stecken und bieten niemals für ein anderes Archiv Ersatz, da ja vielfach die Akten und Bücher unberücksichtigt bleiben. In Vorarlberg wird es so gehandhabt, daß zuerst die österreichischen Archive, vor allem das für das Land infolge seiner früheren politischen Zu­ständigkeit wichtigste Landesregierungsarchiv in Innsbruck photographisch durchgearbeitet wird. Wir stehen mitten in dieser Arbeit. Dann kommt Wien an die Reihe und dann das Archivgut, welches im Auslande liegt. Durch Presse und Rundfunk werden zudem die vorarlbergischen pri­vaten Archivalienbesitzer aufgefordert, ihre Urkunden, wenn nicht als Depot, so doch leihweise, dem Vorarlberger Landesarchiv zur Verfügung zu stellen, damit diese Archivalien wenigstens photographisch festgehalten werden können. Abgesehen vom Wert der originalgleichen Wiedergabe, darf nicht ver­gessen werden, daß es in Notzeiten leichter ist, die Filme gesichert unter­zubringen, als ganze Archivbestände zu flüchten. Bei möglichem Verlust der Originale besitzt man dann wenigstens ein Lichtbild. Auf lichtbild­nerischem Gebiet ist das Vorarlberger Landesarchiv so eingerichtet, daß es die normalen Ansprüche erfüllen kann. Zur Aufarbeitung des Stoffes, den uns das Archiv darbietet, ist eine Bücherei erforderlich, die uns gewissermaßen das nötige Rüstzeug gibt. Es ist natürlich ein Unterschied, ob ein Archiv in einer Universitätsstadt gelegen ist oder am Sitze einer größeren Bibliothek oder ob die nächste brauchbare Bibilothek weiter entfernt liegt. Ist keine geeignete Bücherei in der Nähe, muß eben das betreffende Archiv seine Bibilothek dement­sprechend aufbauen. Auch in Vorarlberg ist es so, daß die nächsten größeren Büchereien in Innsbruck und St. Gallen zu suchen sind. Der Leihverkehr mit dem benach­barten Ausland kann wieder normal durchgeführt werden. Die finanzielle Seite für den Benützer darf aber hier nicht außer acht gelassen werden. So war dies mit ein Grund, daß das Landesarchiv eine Handbücherei anlegte, die vor allem das wichtigste Vorarlberger Schrift­tum, notwendige allgemeine Literatur, Nachschlagewerke, Wörterbücher wie Grimm, Fischer, Schmeller, Lexer, Schweizerisches Idiotikon u. dgl. anschaffte. Natürlich wurde auch auf die Urkundenbücher der engeren und weiteren Nachbarschaft größter Wert gelegt. So sind bei uns u. a. das St. Gallische, das Salzburger, das Freiburger, das Thurgauische, das Appen­zeller, das Bündner, das Ulmer, das Württembergische, Tiroler, das Fürsten­berger Urkundenbuch, die Konstanzer Regesten, die Quellensammlung von Mone, Thommen, Urkunden zur Schweiz. Geschichte aus österreichischen

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