Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

STURMBERGER, Hans: Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun

Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun 369 sich der Geschichte widmete und bereits voll Idealismus und Uneigennützig­keit seit 1828 für Heinrich Pertz kollationierte und statt eines Honorars ein Buch mit dem Autogramm des Freiherrn vom Stein begehrt hatte. Sein Wort: „Ich ... wäre ungemein glücklich, einen solchen Schatz zu be­sitzen 2) “ steht förmlich als Programm dieser idealistischen Beziehung der österreichischen romantischen Geschichtswissenschaft zur deutschen an die Stirne geschrieben. Seit 1831 stand Chmel3) mit Böhmer in schrift­lichem Verkehr und als dieser im Jahre 1833 erstmals selbst in Österreich weilte und mit Chmel zusammentraf, da suchte er auch St. Florian auf, lernte dort Jodok Stülz 4 5) und in Linz Anton von Spaun kennen. Während nun in der von Janssen herausgegebenen Sammlung der Briefe Böhmers, die noch heute den Leser außerordentlich zu bereichern in der Lage sind, einige Briefe an Chmel und Stülz publiziert sind, findet sich darin kein einziger Brief Böhmers an Spaun. Darum scheint der Brief Böhmers an Spaun, den er in den trüben Tagen des Februar 1849 nach Linz schrieb, wohl der Veröffentlichung wert, als Dokument einer persönlich-sachlichen Beziehung der beiden Männer und als Ausdruck der pessimistischen Stim­mung Böhmers im Anschluß an die Ereignisse von 1848 in der Frankfurter Paulskirche *). Böhmer ist in der Geschichtswissenschaft wohl bekannt. Der reichs­städtische Verfechter des alten Reichsgedankens, der Freund Österreichs und Gegner Preußens, der Protestant mit den stark katholischen Neigungen hat seinen sicheren Platz in der Geschichtswissenschaft. Seine „Regesta Imperii“ gehören zu den großen Standardwerken der sich erhebenden deut­schen Geschichtswissenschaft des 19. Jahrhunderts. Hat schon Johannes Jannsens Werk über den Frankfurter Bibliothekar Böhmer, der ein Dilet­tant im besten Sinne des Wortes war und zu den Mitbegründern der mo­dernen Diplomatik zählt, diesen als einen bedeutenden Kopf der deutschen Romantik in Erscheinung treten lassen, so zeigt die neue Biographie Böh­mers von Erwin Kleinstück6), daß auch das 20. Jahrhundert Böhmers Per­sönlichkeit voll in Geltung läßt, ja daß wir in einem Zeitalter stärkster Reaktion gegen die Romantik und gegen ihr fast bis zur Mitte unseres Jahr­2) H. Bresslau, Geschichte der Monumenta Germaniae Historica (1921) S. 195. s) Über Chmel vgl. E. Mühlbacher, Die literarischen Leistungen des Stiftes St. Florian (1905), S. 255 ff.; neuerdings A. Lhotsky, Josef Chmel zum hundert­sten Geburtstag. Anzeiger d. österr. Ak. d. Wissenschaften 95 (1958) S. 323 ff. 4) über Stülz vgl. außer Mühlbacher, St. Florian S. 366, W. Pailler, Jodok Stülz (1876); — H. Sturmberger, Jodok Stülz und die kathol. Bewegung des Jahres 1848. Mitteilungen d. oberösterreichischen Landesarchivs 3 (1954) S. 233 ff. 5) Der Brief Böhmers an Spaun vom 11. Febr. 1849 liegt in einem ganz spärlichen Spaun-Nachlaß im o. ö. Landesarchiv, Musealvereinsarchiv Schuber 75 b. 6) E. Kleinstück, Joh. Friedrich Böhmer (1959); auch Neue Deutsche Bio­graphie 2 (1955) S. 343; — H. v. Srbik, Geist und Geschichte 1 (1950), S. 236 Mitteilungen, Band 14 24

Next

/
Thumbnails
Contents