Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
STURMBERGER, Hans: Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun
Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun. Von Hans Sturmberger (Linz). Wenn man das schöne Portrait des Frankfurter Historikers Johann Friedrich Böhmer von Amélie de Barrelier und das Bild des Syndikus der oberösterreichischen Landstände Anton v. Spaun von der Hand Leopold Kupelwiesers betrachtet, so hat man das sichere Empfinden, daß aus dem Antlitz der beiden viel Gemeinsames spricht. Diese Gemeinsamkeit erstreckt sich nun keineswegs auf das Äußere; der Schnitt des Gesichtes, die Tracht der Haare ist verschieden, aber der strahlende, heitere, etwas träumerische Blick, der eine starke Verinnerlichung erkennen läßt, zeigt doch eine große Verwandtschaft an. Es ist das „Romantische“, das sich im Antlitz der beiden Menschen ausdrückt und ihnen trotz der starken Eigenpersönlichkeit etwas von einem Typus verleiht. Gewiß formt jede Epoche das Gesicht ihrer Menschen, vor allem jener, welche in ihrem Wesen Ausdruck des geistigen Habitus einer Zeit sind. Aber bei den Romantikern ist diese Erscheinung vielleicht etwas stärker zu beobachten als bei Menschen anderer Epochen. Die große Verinnerlichung, die starke Gefühlsbetontheit dieser Träger des romantischen Denkens wirkt sich hier stärker aus in der Formung des Typus, und in den leuchtenden Augen dieser Menschen liegt die Liebe zur Vergangenheit, zu Kunst und Lied, das Traumhafte und Unwirkliche ihres Tuns und Sinnens offen zu Tage. Dieses innere Band, das die Romantiker untereinander so stark verknüpfte, daß es ihrem Antlitz bei aller Verschiedenheit Ähnlichkeit verlieh, wird auch in ihren Briefen sichtbar. Böhmers eigene Briefe in ihrer seltenen Reichhaltigkeit, vom ganzen Reichtum seiner Seele erfüllt, sind vor fast hundert Jahren von Johannes Janssen in zwei Bänden veröffentlicht worden und sind ein sprechendes Zeugnis des vielfältigen Kontaktes, welchen die Romantiker miteinander pflogen >). Auch zu den geistigen Führern der Romantik im Lande ob der Enns hatte Johann Friedrich Böhmer Beziehungen. Jener Geist, der die Monumenta Germaniae Historica erstehen ließ, jenes „Amor Patriae dat Animum“ ließ starke Bande zwischen Böhmer und dem Lande Oberösterreich erstehen. Der Weg führte über Joseph Chmel, den Florianer Chorherrn, der i) i) Johann Friedrich Böhmers Leben, Briefe und kleinere Schriften. 3 Bde. hgg. v. Joh. Janssen (1868).