Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

NECK, Rudolf: Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441)

Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441) 229 wurde, einen Fürsten, der zum Unterschied von Albrecht V. nicht die Herr­schereigenschaften besaß, die einen Mann wie Eizinger beeindruckt hätten. Nicht zu bestreiten sind Eizingers Verdienste um das Land unter der Enns. Namentlich der glänzende Sieg über die Hussiten vom Jahre 1431 ist in erster Linie ihm zuzuschreiben, wobei er nicht nur eine starke militäri­sche Begabung gegenüber einem in seinen Kampfmethoden für die damalige Zeit ungewohnten Feind an den Tage legte, sondern auch großen persön­lichen Mut 2). Trotzdem war er auch bei seinen engeren Landsleuten mehr gefürchtet als beliebt. Die Abneigung seiner Zeitgenossen hatte Ulrich Eizinger in erster Linie seinem Werdegang, seinem für die österreichischen Verhältnisse des 15. Jahrhunderts kometenhaften Aufstieg zuzuschreiben. Hier, in dem Neid der älteren, weniger erfolgreichen Adelsfamilien, der Höflinge und landes­fürstlichen Beamten gegenüber dem anmaßenden Emporkömmling ist mei­stens die Wurzel der mißgünstigen Beurteilung ja mancher Verleumdung zu suchen 3). Dabei haftet den Erfolgen dieses Mannes, so ungewöhnlich und impo­nierend sie seiner Zeit erscheinen mochten, weder etwas Phantastisches noch etwas Unmoralisches oder gar Verbrecherisches an 4). Schon vor Ulrich waren der damals noch aus Bayern stammenden Familie der Eizinger in Österreich einige kleinere Erfolge beschieden gewesen. Bei Ulrich selbst war der dem bayrischen Menschenschlag auch in Österreich so eigentüm­liche gesunde Erwerbssinn von Anfang an besonders ausgeprägt und er be­wies bereits vor seiner Verehelichung in der Führung seiner Geschäfte eine überaus glückliche Hand. Seine Heirat brachte ihn schließlich in die erste Gesellschaft des Landes und ermöglichte es ihm, seinen Besitz ins schier Unermeßliche zu steigern. Aber auch für die anderen Mitglieder der Eizin­ger Familie, als deren Oberhaupt er bis zu seinem Tod unbestritten galt, gelang es ihm, vorteilhafte Verbindungen anzubahnen und man gewinnt den Eindruck, als ob hier auf dem beschränkten Raum des Landes unter der Enns eine Heiratspolitik vorgebildet würde, wie sie in späteren Jahrzehnten im weltweiten Rahmen dem Hause Österreich zur unvergleichlichen und einmaligen Weltstellung verhalf. Eizinger war schon lange bevor er das Amt des Hubmeisters übernahm, einer der reichsten Männer Österreichs und man muß daran erinnern, daß dieser ungewöhnliche Reichtum überhaupt erst die Voraussetzung zur Über­2) S. Max Vancsa, Geschichte Nieder- und Oberösterreichs, 2. Bd., Stuttgart 1927, S. 271. 3) Dies dürfte vor allem für den gut informierten, aber durchaus gehässigen und einseitigen Anonymus gelten, s. Beschuldigungen gegen Herrn Ulrich von Eizing circa 1457 von einem Ungenannten (Notizenblatt, Beilage zum AÖG., 7. Jg., 1857, S. 231 ff. und 245 ff.). 4) Alfons Huber, Geschichte Österreichs, 3. Bd., Gotha 1888, S. 80 f. und Otto H. Stowasser, Ulrich von Eizing und das Testament König Albrecht II., (Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Heft 3, 1922, S. 6 ff.).

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