Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

NECK, Rudolf: Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441)

Ein eigenhändiges Testament Ulrichs von Eizing (1441). Von Rudolf Neck (Wien). Der „großartige Mann“ >), der um die Mitte des 15. Jahrhunderts die österreichische Politik im Guten und Bösen so nachhaltig bestimmt hat, der Hubmeister und Vertraute Albrechts V. Ulrich Eizinger hat bis in die neuere Zeit in unserer Geschichtschreibung eine eher stiefmütterliche Be­handlung erfahren müssen. Obwohl sich die exakte Forschung seit über hundert Jahren mit ihm beschäftigt, ist das historische Bild dieser von seinen Handlungen her so stark profilierten Persönlichkeit auch heute noch keineswegs in allen Zügen fixiert und erst die allerjüngsten Untersuchun­gen lassen hoffen, daß auch bei ihm das überkommene Schema einer reali­stischen Betrachtung Platz machen wird. Maßgebend für die schiefe Beurteilung dieser markantesten politischen Persönlichkeit Österreichs im 15. Jahrhundert dürfte zunächst gewesen sein, daß die neuere Historiographie selbst noch stark von höfischen, habs­burgfreundlichen Tendenzen bestimmt war, in deren Gefüge ein Charakter wie Eizinger schwer unterzubringen war. Wir wollen hier zunächst nicht näher erörtern, wie weit man ihn tatsächlich als den Vertreter der alten ständischen Gewalten bezeichnen darf gegenüber dem frühen landesfürst­lichen Absolutismus, als dessen Opfer sein Neffe viele Jahrzehnte später das Haupt auf den Richtblock legen sollte; eher weist Ulrich von Eizing mit vielen Zügen in eine weitere Zukunft, wenn er sich zeitweise als erfolg­reicher Großkapitalist und geschickter Geldgeber des Fürsten zum eigent­lichen Herrn seines Landes aufschwingt. Sein Gegensatz zu Friedrich V. und dessen Bruder Albrecht VI. war jedoch nicht prinzipieller, sondern mehr persönlicher Natur. Es wird sich nicht widerlegen lassen, daß er seinem ersten Herrn, Albrecht, als Landesfürsten und als Kaiser stets treu gedient hat, ebenso dessen Witwe und Leibeserben. Der inner-österreichischen Linie des Hauses stand er jedoch wohl vom Anfang an mit Mißtrauen, bald aber auch mit offener Abneigung gegenüber, die er im übrigen mit fast allen seinen maßgebenden Landsleuten unter und ob der Enns geteilt haben dürfte. Die Stellung, die er aber damals im Lande innehatte, führte zwangs­läufig dazu, daß er das Haupt jeder rebellischen Opposition gegen Friedrich 1 1) Otto H. Stowasser, Ulrich von Eizing, der Führer der ständischen Be­wegung unter Kaiser Friedrich III. (Monatsblatt des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, 21. Jg., Februar 1922, S. 11 f.).

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