Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

MORO, Gotbert: Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv

214 Gotbert Moro lichen Urkundensammlung zur Bewahrung zu übergeben. Jedenfalls, weil Kärnten eine solche nicht besaß, gab er das Diplom am 20. April 1813 dem Archiv des (zwei Jahre vorher gegründeten) Joanneums in Graz7), von dem es der Geschichtsverein für Kärnten im Oktober 1911 für den Erb- landstabelmeisterstab der Steiermark von 1728 eintauschte8). Ist auch durch Heinrich Hermann 9) und endgültig Gottlieb Freiherrn von Ankershofen 10 11) das von König Karlmann gegründete Kloster Ötting n) als Empfänger sichergestellt und von Karl August Muffat12) die Passauer Provenienz nachgewiesen worden, so steht noch immer die Frage, wann und durch wen das Diplom Karlmanns in das Kloster Ossiach gekommen ist, zur Diskussion13). Zu ihrer Klärung sei zunächst folgendes festgestellt: 877 Februar 24 übertrug König Karlmann dem Kloster ötting u. a. die Kapelle in Ötting14), das Kloster wird urkundlich zum letztenmal 901 ge­nannt 15); Ernst Klebel nimmt an, daß es 903, als der Abt Burchard Bischof von Passau geworden ist, an dieses gekommen sei16), denn die Urkunde König Ludwigs IV. des Kindes vom 17. Juni 907, wonach der König das Kloster dem Bistum zur Entschädigung der durch die Ungarn erlittenen Schäden geschenkt habe, ist eine Fälschung17). Offenbar ist aber das Kloster in den Ungarnstürmen nach der Niederlage des bairischen Heer­7) J. Wartinger und J. R. v. Jenull, Die älteste Original-Urkunde im Joan- neums-ArChive, Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark, 1. Heft, Gratz 1850, S. 83 u. 85. Kärnten besaß damals noch kein Museum oder Archiv. 8) A. v. Jaksch, Die älteste Original-Urkunde Kärntens wieder im Lande, Car. I 101. Jg., 1911, 148 f. — In Mon. Germ. DD. Karlmann, Vorbemerkung zu Nr. 14, S. 304, wird irrtümlich 1904 als ErwerbungsjaJhr angeführt. 9) H. Hermann, Ossiach, Caninthia (Car.) 27. Jg., 1837, S. 66. >*) G. Frh. v. Ankershofen, Alt-Ossiach, Car. 29. Jg., 1839, S. 4 ff.; ders., Be­merkungen zur Carlomannischen Urkunde. Mitt. d. hist. Ver. f. Steiermark, 2. Heft, Gratz 1851, S. 127 ff. und Handbuch der GesCh. d. Harzogthumes Kärn­ten II. Bd., Klagenfurt 1851, Regesten und Urkunden, S. 43 ff. 11) Mon. Germ. DD. Karknann, Nr. 2, S. 286 f. 12) K. A. Muffat, Die Grafen von Treffen in Kämtben als ein Zweiig des alemannischen Dynastengeschlechtes der Grafen von Veningen-Alshauisen, Ab­handlungen d. histor. Classe der Kgl. bayer. Akademie der Wissenschaften, Mün­chen 1855, 7. Bd., 3. Abt., S. 545 ff., bes, 553. 13) Für die ältere Zeit G. Frh. v. Ankershofen, Hb. d. GesCh,. Kämt., a. a. O. 14) Mon. Germ. DD. Karlmann Nr. 2, S. 286 f. 13) Mon. Germ. DD. Ludwig IV., Nr. 10 u. S. 227 ff.; E. Klebel, Eigen- klosterrecbte und Vogteilen in Bayern und Deutschösterreich, Mitt. d. österr. Inst, f. Geschichtsforschung, XIV. Erg.-Bd. 1939, S. 201; ders., Die Grundherrschaften um die Stadt Villach, Arch. f. vaterl. Gesch. u. Top. 27. Bd., 1942, (abgekürzt: Grundherrschaften) S. 32 f. 16) Klebel, Grundherrschaften, S. 33, und Mitt. d. österr. Inst. f. G., S. 187. 17) Mon. Germ. DD. Ludwig IV., Nr. 84 u. S. 227 ff.; Mon. Car. III, Nr. 75, hier noch nicht als Fälschung bezeichnet, daher irrtümlich auch in: Erläuterun­gen zum Histor. Atlas d. österr. Alpenländer (abgekürzt: Erl.) II. Abt. 8. Teil 3., S. 63; ebenda auch nach Mon. Car. III, Nr. 75, noch mit 17. Mai 907 datiert.

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