Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara

Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara 105 stetten22). Sein Sohn Ulrich wurde der große Prediger, der sich nach sei­nem Eintritt in den Orden der unbeschuhten Augustinereremiten Abraham a Sancta Clara nannte. Der zweite Teil dieses Namens entsprach einem Ordensbrauch. Warum aber Abraham? Es ist sichergestellt, daß der Augu­stinermönch seinen Klosternamen bewußt im Hinblick auf seinen Onkel angenommen hat, der ihm das Studium ermöglicht hatte und dem er daher zu Dank verpflichtet war23). Abraham Megerle kam schon als Kind nach Österreich. In Tirol gehörte er seit 1617 der Kapelle der Erzherzogin Anna Katharina im Servitinnen- kloster in Innsbruck an. Dann trat er in den Musikdienst des Erzherzogs Leopold über und erteilte auch den Novizinnen in Hall Unterricht. Nach dem Tode des Erzherzogs wurde seine Hofkapelle aufgelöst, Abraham Megerle wandte sich darauf nach Konstanz, wo er Domkapellmeister wurde. Damals dürfte er schon Priester gewesen sein. Wahrscheinlich durch Ver­mittlung des Konstanzer Kanonikus Grafen Karl Fugger, der in Salzburg Domdechant wurde, kam Megerle 1641 ebenfalls an den Hof des dortigen Erzbischofs. In diesem Jahre wird er erstmals als Kapellmeister genannt. 1644 erhielt er eine Präbende im Kollegiatkapitel „Beata Maria Virgo ad Nives“. Daher die mehrfach auftretende Beziehung als „Schneeherr“ 24). In den Kapitelprotokollen wird er zuletzt am 21. März 1650 genannt. Im selben Jahre verließ er Salzburg25). Wir wissen, daß er um diese Zeit eine Reise nach Rom unternommen und auch das Frauenkloster St. Jakob in Wien besucht hat. Dort gab er Unterweisungen in Musik. Sein Sinn rich­tete sich jetzt darauf, in einem vornehmen und reichen Kapitel eine Pfründe zu erhalten. Es schienen ihm jedoch dafür die Voraussetzungen zu fehlen. Weder besaß er den Doktorgrad noch gehörte er dem Adel an. Dies war auch der in seinem Gesuch unumwunden zugegebene Grund, daß er sich 1652 beim Kaiser um eine Nobilitierung bewarb, da er bereits Expektanzen des Erzbischofs von Mainz und des Herzogs von Bayern als Schirmherr des Kapitels von Altötting besaß. Das genaue Datum seiner Aufnahme in dieses Kapitel ist jedoch nicht bekannt26). Er blieb ein Mann im Schatten. Die Stelle eines Kapellmeisters vermochte er dort nicht zu erreichen. Trotz eifriger Erfüllung seiner Dienstpflichten war das Ver­22) Vg], Johann R e b h o 1 z, Kreenheimstetten und Umgegend, die Heimat von Abraham Megerle und des Neffen Johann Ulrich Megerle, später P. Abra­ham a Sancta Clara, Frankfurt 1941, 130 ff. 23) Abraham Megerle in einem Brief vom 27. Mai 1670 an das Kloster Zof­fingen. Bertsche, Abraham a Sancta Clara, 1922, 201 f. 24) Über dieses 1631 von Paris Lodron gestiftete Kollegiatkapitel vgl. Chri­stian G r e i n z, Die fürsterzbischöfliche Kurie und das Stadtdekanat zu Salz­burg, 1929, 137 f. 25) Albert, a. a. O., 30 nach Archivalien des Landesarchivs Salzburg. Das Gesuch um Erhebung in den Adelstand aus 1652 ist allerdings mit Abrahamus Megerle, Capellmaister und Canonicus B. M. V. ad Nives zu Salzburg unter­fertigt. 26) C. J. K ö n i g, Dreimal Chorherrnstift Altötting, 1949, 297 f.

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