Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara
106 Walter Goldinger hältnis zu seinen Mitbrüdern nicht gut. Ob daran „sein Geltungsbedürfnis und seine unpriesterliche Derbheit“ schuldtrugen27), bleibe dahingestellt. Die Tatsache steht fest, über die Ursachen schweigen die Quellen. Diese sonst nicht überlieferte Nachricht dürfte auf die Collectanea diplomatico- genealogica-historica Vetere-Oettingiana des Anton Maria Kobolt zurückgehen28), der hundert Jahre später lebte29). In seinem Baierischen Gelehrtenlexikon, Landshut 1794, würdigt er Megerle bloß als großen Musiker, ohne auf Einzelheiten seines Lebensweges einzugehen30). Die finanzielle Lage Megerles gestaltete sich nicht günstig, namentlich gegen Ende seines Lebens geriet er in eine gewisse Bedrängnis. Dies geht nicht nur aus einer Bittschrift hervor, die er, wahrscheinlich 1679, an den Bischof Albrecht Siegmund von Freising richtete31), auch die Aufnahme seines Nachlasses beweist dies32). Auf das Kanonikat hatte er 1676 verzichtet, blieb aber weiterhin im Stift Altötting. Am 29. Mai 1680 ist er dort gestorben. Mehr noch als seine zeitweiligen materiellen Schwierigkeiten bedrückten ihn die Sorgen um seine Verwandten und die schlechten Erfahrungen mit seiner Dienerschaft. Mit dem Frauenkloster Zoffingen in Konstanz blieb er in ständiger Fühlung. Seinem Wunsche gemäß ruht dort sein Herz, während der Leib im Kreuzgang des Stiftes von Altötting bestattet wurde. Eine Ausnahme in der Welle des Undanks, die ihn umgab, bildet seine Beziehung zu seinem Neffen Ulrich. Dieser stammte aus der Ehe des Traubenwirtes Mathäus Megerle in Kreenheinstetten, die dieser am 1. Juni 1623 mit Ursula Wagner geschlossen hatte. Als vorletztes einer großen Kinderschar kam er dort am 2. Juli 1644 zur Welt33). Er hatte es seinem Oheim Abraham zu verdanken, daß ihm der Weg zu den höheren Studien eröffnet wurde. Er legte sie zuerst in Ingolstadt, später in Salzburg 34) zurück, wo Abraham Kapellmeister gewesen war. Als 1659 sein Vater starb und sein Bruder Jakob das Traubenwirtshaus übernahm, erbte er 150 Gulden, die er sofort seinem Onkel Abraham vermachte. Dieser hat später ausdrücklich festgehalten, daß von seiner zahlreichen Verwandtschaft nur sein „Vetter“ Ullrich dankbar gegen ihn gewesen sei 3S). Zu seinem Geburtstag am 9. Februar 1670 übersandte ihm dieser seine Epitome elogiorum. Daraus ergibt 27) Ebd. 298; Rebholz, 108. 28) Zitiert bei König, 297. 29) Alig. deutsche Biographie 16, 366. 30) Landshut 1794, 444 f. 31) Abgedr. b. D e u t i n g e r, a. a. 0„ 430 ff. u. Albert, 129 f. 32) Albert, 121, 153; Rebholz, 121. 33) Karaj an, a. a. O., 6f.; B e r t s c h e, Abraham a Sancta Clara 18, 38; Rebholz, 166 ff. 34) Virgil Redlich, Die Matrikel d. Universität Salzburg, 1935, 66, nr. 3215. 35) Brief vom 6. März 1670 an das Kloster Zoffingen. B e r t s c h e, a. a. O., 200.