Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara
104 Walter Goldinger vom Wappenzensor geprüften Wappenentwürfe teilweise den Akten entnommen und in besondere Bände eingeklebt wurden ls). Die im Reichswappenbuch II überlieferte authentische Form zeigt einen gevierteten Schild, rechts oben und links unten in Rot eine weiße Kirche mit Turm auf einem grünen Hügel stehend. Links oben und rechts unten in Blau die Gestalt eines halben Mohren, die in der Rechten einen weißen Zirkel vor sich hält, die Linke in die Hüfte stützt. Über dem Haupt einen weißen Bund, vorne auf der Stirn und in beiden Ohren ein goldenes Kleinod. Über dem Schild ein offener Turnierhelm mit rechts roten, links blauen Helmdecken. Darüber eine goldene Krone, aus der 6 Straußfedern, abwechselnd blau, weiß und rot, wachsen. Wann ist nun diese Verleihung erfolgt? Das Datum steht nicht eindeutig fest. Das Konzept, das außer der Wappenbeschreibung nur einzelne formelhafte Teile enthält, ist undatiert* 19 *). Auch in den Reichsregistern und Reichstaxbüchern findet sich keine Eintragung. Das Gesuch an den Kaiser Ferdinand III. hat Abraham Megerle mit keiner Zeitangabe versehen, doch trägt es den Präsentationsvermerk vom 1. September 1652 29). Ein Prädikat wurde damals nicht verliehen. Die noch bei Kann hergestellte Verbindung mit der Familie Megerle von Mühlfeld ist irrtümlich21). Immerhin, die in Wien überlieferten Reichsadelsakten stellen neben den von Karl Bertsche und besonders Hanns Albert ausgewerteten Korrespondenzen des Abraham Megerle im Archiv des Dominikanerinnenklosters Zoffingen bei Konstanz ein wesentliches Hilfsmittel zur Überprüfung jener Angaben dar, die der große Musiker in seinem Speculum musico-mortuale bietet. Die Epitome elogiorum seines Neffen zeichnet trotz aller Rhetorik oder eben deswegen nur einzelne Meilensteine auf der Lebenspilgerschaft des Gefeierten. Aus all diesen Quellen ergibt sich folgender biographischer Abriß: Abraham Megerle ist am 9. Februar 1607 in Wasserburg in Bayern als Sohn des Schlossermeisters Balthasar Megerle und der Apollonia Springer, gleichfalls einer Schlossermeisterstochter, geboren. Ein Bruder seines Vaters, Matheus, war in der schwäbischen Heimat der Familie geblieben, er erwarb als Fürstenbergischer Untertan ein Wirtshaus in Kreenheimls) Vgl. Julius Kindler v. Knobloch u. Josef Klemme. Der Reichs- Cancelei Originalwappenbuch von MDXL bis MDLXI. Jahrbuch „Adler“ 1, 1881, I—LX; Wolfgang Kotz, Das Reichswappenbuch I. Mitt. d. Österr. Staatsarchivs 7, 1954, 219—221. 19) Alig. Verwaltungsarchiv, Reichsadelsakten: Abraham Megerle. Ohne Rücksicht auf den Empfänger ist bei Anführung der Verdienste formulargemäß auch von der Teilnahme an Kriegszügen die Rede. 29) Es ist mit ziemlicher Sicherheit 1. September zu lesen. Karajan, a. a. 0., 339 ff. und Albert, a. a. 0., 119, lassen die Tagesbezeichnung weg. 21) A. a. O., 52. Die Verleihung dieses Prädikats erfolgte erst 1803. Alig. Verwaltungsarchiv: Hofkanzlei, Adelsakten Megerle von Mühlfeld.