Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara

Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara 103 von Karajan, dem wir die erste wissenschaftliche Biographie über Abraham a Sancta Clara verdanken, 1867 in Wien erschienen, hat das Büchlein nicht gekannt, doch war er der erste, der den Familienbeziehungen des großen Predigers nachgegangen ist und bei ihrer Darstellung auch der Person seines Oheims, Abraham Megerle, den gebührenden Platz einräumte13). Da­mit konnte er die Bedeutung, die dem älteren Abraham für den Werdegang seines Neffen zukommt, in das rechte Licht rücken. Schon im 18. Jahr­hundert erscheint Abraham Megerle wegen seiner Tätigkeit als Komponist und Musikerzieher in verschiedenen Nachschlagewerken und Enzyklopädien dieser Zeit. Aber erst die von dem Münchener Dompropst Martin von Deu- tinger herausgegebenen „Beyträge zur Geschichte, Topographie und Sta­tistik des Erzbisthums München und Freising“ 14) vermitteln ein einiger­maßen geschlossenes Lebensbild, das auch für Karajan die hauptsächliche Quelle bildete. Der Beitrag geht auf eine Einsendung des Stadtschreibers von Wasserburg in Bayern Heiserer zurück, wurde von dem Altöttinger Kanonikus Kobolt, dem Herausgeber des Bayerischen Gelehrtenlexikons, ergänzt und von Deutinger weiter überarbeitet. Dabei blieb noch immer die Frage offen, ob Abraham Megerle mit „dem berühmten P. Abraham a Sancta Clara verwandt sei“ 15). Verdienstlich bleibt der erstmalige Hin­weis und eine Inhaltsangabe des „Speculum mortuale“, eines von Abraham Megerle verfaßten Büchleins, dem nicht nur aus musikgeschichtlichen Gründen, sondern auch als einer Autobiographie große Bedeutung zukommt. Karajan hat diese, auch heute ziemlich seltene, Schrift nicht im Original gekannt, hingegen in anderer Weise viel Mühe auf die Erforschung der Lebensumstände des Autors verwendet. Er hat es verstanden, in die damals noch gar nicht leicht zugänglichen Reichsadelsakten Einblick zu bekom­men. Den Text des Ansuchens des Abraham Megerle um Erhebung in den Adelstand und des bloß fragmentarisch überlieferten Konzeptes für das Diplom druckt Karajan in der Beilage zu seiner Abraham a Sancta Clara- Biographie, im ganzen zuverlässig, ab16). Auch eine Abbildung des Wap­pens ist beigegeben, doch konnte sie nur nach der Beschreibung im Adels­akt entworfen werden und unterscheidet sich daher in gewissen Details, über die in der Blasmatur nichts gesagt ist, von jener Form, die — in Farben — das Reichswappenbuch II enthält17). Die sogenannten Reichs­wappenbücher sind in der Reichskanzlei in der Weise entstanden, daß die 13) Abraham a Sancta Clara, Wien 1867. Es ist daher die Angabe in der Einleitung zur Epitome-Ausgabe (Werke 3, 451), daß Abraham Megerle erst 1911 für die Öffentlichkeit entdeckt worden wäre, zu berichtigen. 14) 6, 1854, 426—437: Abraham Megerle, Kanonicus in Altötting. u>) Ebd. 430. 16) A. a. 0., 339—343. 17) Befindet sich im Österr. Staatsarchiv, Abt. Allgemeines Verwaltungs­archiv.

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