Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert

Die Handelsbeziehungen des Litorale 91 handel hinweisend, demonstrierte der Agent u. a., daß auf einen von Hirschberg nach dem venezianischen Umschlagplatz Chioggia abgehenden Meterzentner schlesisches Leinen an Transport, Zoll und sonstigen Ab­gaben allein schon 14,30 Gulden entfallen, ein Betrag, der bei einer über Triest geleiteten Ausfuhr sich auf die Hälfte reduzieren ließe, wenn, was den Tatsachen ja entspreche, als Frachtspesen von Hirschberg nach Wien drei und von Wien nach Triest 3,35 Gulden angeschlagen würden. Der Kaiser käme, wie B e n z o n i noch ausdrücklich betonte, den Kauf­leuten in Triest ganz besonders schon dadurch entgegen, da er die bei Marktgeschäften übliche Honorierung der Sensale selbst bestreiten wolle. Eine Begünstigung, die sie, die Händler, nur bei der Triester Fiera und sonst nirgends antreffen würden. Die vorsichtigen Schlesier nahmen die gebotenen Vorteile mit gezie­mendem Dank zwar zur Kenntnis, gaben aber dem Agenten im Verlauf der zweiten Sitzung zu verstehen, daß ihr Exportgeschäft auf den Besuch der Märkte in Linz und Bozen ausgerichtet wäre. Auch zeigten sie sich, wie B e n z o n i feststellen mußte, über die in Triest herrschenden Verhält­nisse wohlunterrichtet. Bedenklich empfanden sie das Fehlen kreditfähiger Handelshäuser, mit denen allfällige Geschäftsverbindung angeknüpft wer­den sollte und daß es in Triest niemanden gäbe, dem sie ihre Waren in Kommission überlassen könnten. Die Produkte selbst nach der Hafenstadt zu begleiten, mache schon die weite Entfernung, die sie über Gebühr von ihrem normalen Geschäftsbetrieb abhalten würde, unmöglich. B e n z o n i trachtete diese Einwände mit der Versicherung zu ent­kräften, daß den Händlern kaiserlicherseits ein Abbrechen ihrer altbewähr­ten Handelsverbindungen nicht im entferntesten zugemutet, die weitere Beschickung der Bozner und Linzer Märkte vielmehr begrüßt und nur eine probeweise Beteiligung an der zukünftigen Triester Fiera gewünscht werde. Auch ließen sich, da diesbezügliche Maßnahmen bereits eingeleitet, die in Triest vorhandenen Mängel, wie etwa das Fehlen von Handelsver­tretungen, noch zeitgerecht beseitigen. Das Problem der Warenbegleitung könnte gleichfalls und zwar in der Weise gelöst werden, daß die Breslauer Handelsherren aus ihrem Kreise einige Vertreter mit der Betreuung ihrer Produkte und Interessen auf dem Wege zum und am Jahrmarkt selbst betrauen sollten. > Dank der Autorität des Freiherren v. Brunetti gelang es, bei der dritten und letzten Zusammenkunft den Widerstand der Kaufleute soweit zu überwinden, daß B e n z o n i das Versprechen des Marktbesuches nebst einem Verzeichnis der namhaftesten Breslauer Firmen sowie eine aus­führliche Liste der für die Fiera in Aussicht genommenen Waren er­halten konnte. Der Agent versprach seinerseits, die Händler rechtzeitig über die aus Italien nach Triest gelangenden Warensorten sowie auch hin­sichtlich des Standes der allgemeinen Jahrmarktvorbereitungen zu infor­mieren.

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