Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert

92 Peter Gasser Mit Empfehlungsschreiben Brunettis ausgestattet, begab sich B e n z o n i von Breslau aus nach den in dem schlesischen Bergland ge­legenen Zentren der erbländischen Leinenerzeugung Hirschberg, Lands­hut und Schmiedberg. Von der Vielfalt und Güte der Produktion wie auch von den dort angewandten Bleichverfahren zeigte sich der Agent beein­druckt, was die Bereitwilligkeit der Erzeuger und Händler, die in Triest geplante Fiera zu besuchen bzw. zu beschicken betraf, jedoch enttäuscht8). Ihre Haupttätigkeit, so führten die Händler im Zuge von Gesprächen an, die von den Bürgermeistern der drei Ortschaften vermittelt worden waren, bestehe in erster Linie im Kommissionsgeschäft und hier vor allem in der Durchführung der vielfach von „antecipierten“ Wechseln einbeglei­teten Bestellungen aus Holland, England und Spanien, wobei sie sich in Anbetracht des beständigen und an den Umsätzen gemessen, umfang­reichen Geschäftes mit der niedrigen Provision von zwei Prozent be­gnügten. Im Verlauf weiterer zwanglos geführter Diskussionen gaben die dor­tigen Geschäftsleute ihre über eigene in Bozen bestehende Exposituren geführten Handelsbeziehungen mit Italien zwar zu, erklärten aber eine Beschickung oder gar den Besuch der Triester Fiera schon wegen der gro­ßen Entferung als undurchführbar. Sie stellten bestenfalls eine Vertretung ihrer Interessen in Triest durch Wiener, Grazer bzw. Laibacher Handels­partner in Aussicht. Wie schon in Breslau, warf man auch hier dem Agen­ten die in Triest bestehenden Mängel vor. In Hirschberg und in den beiden anderen Städten hatte Stefano de B e n z o n i mit seinen Gegenargumenten nicht jenen Erfolg, den er in Breslau errungen zu haben glaubte9). Die mangelhafte Bereitwilligkeit (renitenza), neue Exportwege zu beschreiten, führte er auf den sicher über Hamburg geleiteten Handel mit Holland und England zurück, der den Kaufleuten, ungeachtet betont niedrig gehaltener Provisionen, nahezu mühelos beträchtliche Gewinne einbringe. B e n z o n i sollte hier das dor­nige Problem, Handelsleute von ihren altgewohnten und gut eingefahrenen Bahnen auch nur geringfügig ablenken zu wollen, zum ersten Male kennen lernen. Die fruchtlosen, von Maria Theresia mit Nachdruck und von Jo­seph II. unter Androhung schärfster Sanktionen unternommenen Versuche, die böhmische Ausfuhr nach dem Westen von Hamburg ab und über Triest zu leiten, werden in der Folge noch ausführlich besprochen werden. Fűi­den Agenten des Spanischen Rates, dem jede formelle Handhabe, seinen Willen diesbezüglich durchzusetzen, fehlte, bedeutete es auf jeden Fall ein mühseliges Unterfangen. s) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (306). — „••• la quantitä di Telarie di ogni sorte, e la bianchatura, che si fabricano in questi luoghi e molto considerabile . ..“ 9) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (308). — „... non ostante queste rimostranze, ho osservato nelli detti Negozianti assai poca dispo- sizione di voler intraprendere questo nuovo traffico ..

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