Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

598 Literaturberichte Stadt von dem mit erheblichen Vollmachten ausgestatteten Regiment der Dorfältesten, der sog. „obscina“, erschwert oder besser gesagt, so gut wie unmöglich gemacht wird. Dies führt zu einem akuten Mangel an Arbeits­kräften in der Industrie, der sich namentlich im Zuge des ersten Industri­alisierungsprozesses der Jahre 1890—1900 höchst nachteilig bemerkbar macht, und den Vorteil Rußlands, von den Erfahrungen der auf diesem Gebiete hochentwickelten Nationen des Westens profitieren zu können, kom­pensiert. Dessen ungeachtet schreitet, einem Wunder gleich, und was grenzt nach Gerschenkorn in diesem Lande nicht ans Wunderbare, die Indu­strialisierung, wenn auch ruckartig und unter bizarren Aspekten, so wird z. B. dem modernsten Hochofen das Erz in primitiv patriarchalischen Schubkarren zugeführt, gewaltig fort. Zu Beginn der zweiten Industriali- sierurigswelle, die 1906 ihren Anfang nimmt und 1916 ihren vorübergehen­den Abschluß findet, wird den Bauern durch die Reformen Stolypins der Weg zur Fabrik zwar frei gemacht, doch vermögen diese Reformen, weil sie zu spät kommen und aus einer Niederlage geboren sind, nicht die Bil­dung eines unzufriedenen, arbeitsscheuen und radikalen Einflüsterungen zugänglichen Proletai'iats zu verhindern. Grundsätzlich kommt Gerschen­korn, den ersten Teil seiner Studien abschließend, zu der Erkenntnis, daß die Industrialisierung Rußlands nicht als das Werk des gegenwärtigen Regimes bezeichnet werden kann, daß sie vielmehr schon unter den Zaren begann und von diesen, wenn schon nicht in dem uns bekannten rasanten Rhythmus, auch fortgesetzt worden wäre. Die an und für sich leicht zu verfolgende Entwicklung wird mit der Machtübernahme durch die Kom­munisten unübersichtlich. Auch Gerschenkorn vermag nur mehr intuitiv und spekulativ vorzugehen. Sein Versuch, die Anstrengungen der verschiedenen Fünfjahrespläne mit denen Peter d. Gr. zu vergleichen, wird, kaum begonnen, aus der Erkenntnis wieder eingestellt, daß der große Zar nach Erreichung der gesteckten Ziele Atempausen eingeschaltet hätte ■— ein Beispiel, das der Kommunismus aus seiner Natur, die Dinge im Fluße halten zu müssen, nicht befolgen kann. Was auch für das heutige Rußland Geltung hat, ist nach Gerschenkorn ein Ausspruch des Historikers Plechanow, wonach dieses Riesenreich jeden Schritt, den es in dem Bestreben, sich dem Westen anzugleichen, unternimmt, mit einem sehr hohen Preis, d. h. mit vielen Schritten, die es dem Westen immer mehr entfremdet, bezahlen muß. „Rivista storica“ bringt in diesen beiden Bänden zwar keine Bespre­chung von Werken deutschsprachiger Autoren, wohl aber im II. Bd., Jg. 71, aus der Feder Girolamo Arnaldis einen ausführlichen und in warmen Worten gehaltenen Nachruf für den am 30. X. 1958 verstorbenen bayri­schen Historiker Walter Goetz. Peter Gasser (Wien). Siedlung, Wirtschaft und Kultur im Ostalpenraum. Festschrift zum 70. Geburts­tag von Fritz P o p e 1 k a. In Verbindung mit der Historischen Landeskom­mission und dem Historischen Verein für Steiermark herausgegeben von Fritz Posch (Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives, Band 2), XIX, 385 Seiten, Graz 1960. Die zuständigen Institutionen Österreichs und im besonderen des Bun­deslandes Steiermark sowie ein illustrer Kreis von Fachkollegen haben mit

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