Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 597 Beitrag zunächst nur ein dem italienischen Historiker in erster Linie an­sprechender Torso, dessen baldige Einfügung in das Gesamtwerk nicht nur von der italienischen, sondern darüber hinaus auch von der gesamt­europäischen Geschichtsforschung lebhaft begrüßt werden wird. Von den mit der Sichtung der im Jahre 1945 erbeuteten deutschen Archive betrauten englischen Geschichtsforschern Llewellyn W oodward und Rohan Butler wurde die Behauptung aufgestellt, daß die Heraus­geber des Aktenwerkes „Die große Politik der europäischen Kabinette'* nicht immer in absolut exakter Art und Weise vorgegangen wären. So stellt N. W. M e d 1 i c o 11, der in seinem 1956 erschienenen Werke „Bismarck, Gladstone and the Concert of Europe" das Forschungsergebnis seiner vor­genannten Kollegen bereits verwerten konnte, fest, daß schon bei der Bear­beitung der Ära Bismarck deutscherseits eine Selektion des Materials dahin­gehend vorgenommen worden sei, als nur jene Akten zur Edition gelangten, aus denen Erfolge, nicht aber solche, aus denen Fehlschläge des Kanzlers, wie etwa seine im Jahre 1881 gescheiterten Bemühungen, ein Bündnis zwi­schen Deutschland, Österreich und Rußland (Dreikaiserpakt) zustandezu­bringen, herauszulesen sind. Daß mit der Herausgabe des deutschen Akten­werkes nicht nur der historischen Wahrheit gedient werden sollte, gehtauch aus einem im Archiv Stresemann von der englischen Historikerin und pro­funden Kennerin der deutschen Geschichte Isabel Massey entdeckten Me­morandum hervor, das Prof. Friedrich Thimme am 4. V. 1925 an Stre­semann gerichtet hatte. In diesem versichert Thimme, daß er als hauptverantwortlicher Herausgeber des Werkes stets die reine Wahrheit mit den Interessen der deutschen Außenpolitik zu vereinen bestrebt ge­wesen sei. Enrico Serra beschränkt sich in „Su Bismarck e sui limiti delle ,Die große Politik“' im wesentlichen auf die Wiedergabe der eng­lischen Forschungsergebnisse, die objektiv betrachtet die deutsche For- schungs- und Edierungsmethode in einem schiefen Licht erscheinen lassen. Bedenkt man aber, daß mit der Herausgabe des Quellenwerkes in den Jah­ren 1921/22, also zu einem Zeitpunkt begonnen wurde, als die Stellung des Reiches in der Welt eine hoffnungslos kompromittierte war, und das ge­steckte Ziel die Klärung der Kriegsschuldfrage gewesen ist, bedenkt man ferner, daß dieser Kampf mit ungleichen Waffen ausgefochten werden mußte, so wird man wohl kaum mit Thimme und seinen Mitarbeitern allzu streng ins Gericht gehen können. Wie nur selten hat hier der Spruch: „audiatur et altera pars" seine Berechtigung. Ein im Frühjahr 1958 von dem „Joint Committee on Slavic Studies" in New York ,abgehaltener Kongreß hatte die soziale Umwälzung in Rußland zu seinem Hauptthema gewählt und Alexander Gerschenkorn von der Harvard University zu Betrachtungen angeregt, die in einer ausgezeich­neten Übersetzung Vittorio R i e s e r s unter dem Titel „Caratteri e pro- blemi dello sviluppo economico russo 1861—1958“ im II. Bd., Jg. 71 der „Rivista storica italiana“ zur Veröffentlichung gelangt sind. Der ver­hältnismäßig lange Beitrag (45 Druckseiten) untersucht in seiner ersten Hälfte die Lage des russischen Bauern, die auch nach der erst im Jahre 1861 erfolgten Aufhebung der Leibeigenschaft insofern eine traurige bleibt, als ihm nur ungenügend Land überlassen, und die Abwanderung in die

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