Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

596 Literaturberichte eine ausführlichere Biographie, zu der Falco die Ansätze wohl schon geformt haben dürfte, folgen sollte. Gaetano Arf e’s etwas langatmig gehaltenen „Studi recenti su demo­cratic! e socialisti italiani“ werden wohl der politischen Geschichtsschrei­bung Italiens manches, dem Ausländer jedoch nur wenig sagen können. Sind doch die Exponenten des italienischen Sozialismus, wie etwa B i s- solati, Modigliani oder G i u s t i sicherlich Idealisten, aber keine durchschlagenden Persönlichkeiten gewesen. Wie die Mehrzahl ihrer intel­lektuell angehauchten Landsleute waren auch die Führer der sozialistischen Partei Italiens ausgeprägte, sich untereinander bekämpfende Individuali­sten. Diese Tatsache steht zu den Interessen der von ihnen geführten mar­xistisch-kollektivistischen Massenpartei im offenen Widerspruch. Es wun­dert daher nicht, wenn die Partei unter solchen Voraussetzungen ungeach­tet der vor 1914 und nach 1918 ohne Zweifel vorhandenen Prämissen nicht zum Zuge, d. h. zur Macht gelangen konnte. Diese ergreift, ohne daß ihm von seinen ehemaligen Genossen nennenswerter Widerstand geleistet würde, Mussolini. Auch als das kaum installierte faschistische Regime nach der Affäre Matteoti in seinen Grundfesten erschüttert erscheint, ver­mögen die Sozialisten, weil uneinig, nichts Entscheidendes zu unternehmen. Die erlösende Tat erwarten sie vielmehr von ihrem alten liberalen Gegner G i o 1 i tt i. Der große „alte Mann“ sieht jedoch seine politische Laufbahn als abgeschlossen und unternimmt nichts. So geht der Faschismus aus der Krise des Jahres 1924 unter restloser Eliminierung der politischen Oppo­sition gestärkt und die Geschicke des italienischen Sozialismus für die nächsten zwei Dezennien besiegelnd hervor. Am 20. IX. 1946 konstituierte sich unter der Ägide des italienischen Außenamtes die „Comissione per la pubblicazione di documenti diplomatici“, deren Vorsitz zunächst der Botschafter Raffaele G u a r i g 1 i a, in der Folge der Senator Alessandro C a s a t i und nach dessen Ableben der Historiker Mario Toscano führen sollte. Mit der lückenlosen Darstellung der italienischen Außenpolitik von der Proklamierung des Königreiches im Jahre 1861 bis zu der Kapitulation Marschall B a d o g 1 i o s vor den Allierten am 9. IX. 1943 erhielt die Kommission eine klar vorgezeichnete Aufgabe. Die Ausarbeitung des chronologisch in neun Serien aufgeteilten Quellenmaterials wurde namhaften Forschern, wie Walter M a t u r i, Carlo Morandi, Ernesto S e s t a n und anderen führenden Historikern Italiens übertragen. Die bereits erschienenen Beiträge harren, gleich Teilen eines Mosaiks, der endgültigen Zusammenlegung. Ruggero M o s c a t i, der für die siebente Serie, die den Zeitraum vom 31. X. 1922—14. IV. 1935 um­spannt, verantwortlich zeichnet, fungiert darüber hinaus auch als Sekretär der vorerwähnten Kommission. Rivista storica bringt im II. Band, Jg. 71, auf S. 312 ff. den dritten Band der siebenten Serie, in dem M o s c a t i die faschistische Außenpolitik der Jahre 1924/25 behandelt, zum Abdruck. Es sind dies die Jahre, in denen die faschistische Regierung sich zunächst in Griechenland engagiert und in der Folge den offenen Bruch mit der tra­ditionellen Diplomatie Italiens vollziehend eine nach außenhin planlos an­mutende Politik betreibt. Unter den eingangs geschilderten Voraussetzungen ist Moscatis

Next

/
Thumbnails
Contents