Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 589 tigste Standpunkt der Auswahl des Textes war die Herausgabe der bisher nicht publizierten, aber in puncto Quellenwert wichtigsten Teile der Pro­tokolle. Der Ministerrat beschäftigte sich nämlich nicht nur mit den wich­tigsten Fragen Ungarn und die Monarchie betreffend, sondern er hatte auch viele weniger bedeutende Funktionen (z. B.: die Verleihung der Aus­zeichnungen, Würden. Titel, Ränge; die Ernennung der höheren Staats­beamten betreffenden Präsentationen; verschiedene finanzielle und admini­strative Fragen). Emma Iványi gibt in ihrer Einleitung eine ausführliche Übersicht des Wirkungskreises des ungarischen Ministerrates, um den Quellenwert der Protokolle und die Bedeutung des Materials besser verständlich zu machen. Sie beschreibt die Geschichte des ungarischen Ministerrates von April 1848 (der Gang der Sitzungen; die Zusammensetzung und die Tätig­keit der ungarischen Regierungen in der Zeit des ersten Weltkrieges). Als Unterlage für die Textpublikation diente das heute im Ungarischen Staatsarchiv aufbewahrte Reinschriftexemplar der Protokolle. Seinerzeit wurden die Protokolle nach dem Fertigwerden des endgültigen Textes ins Deutsche übersetzt und mit dem ungarischen Text zusammen nach Wien an die Kabinettskanzlei geschickt. Aus der Kabinettskanzlei kam die ungari­sche Reinschrift nach einigen Wochen an das Ministerpräsidium mit der eigenhändigen Unterschrift des Königs zurück. Die deutsche Reinschrift blieb in Wien; heute bewahrt man sie im österreichischen Staatsarchiv (Kabinettskanzlei, Ungarische Ministerprotokolle) auf. Die Ausgabe enthält Material nicht nur aus der Zeit des ersten Welt­krieges, sondern auch aus den dem Weltkrieg vorangehenden Wochen. Aber sie geht nicht bis zum Ende des Krieges, beziehungsweise bis zum Waffen­stillstandsabkommen von Padua (3. XI. 1918), sondern schließt mit der letzten Sitzung der Regierung Wekerle am 25. Oktober. In der Ausgabe folgen die Punkte des Protokolls chronologisch nach­einander. Jeder Punkt hat auch eine besondere Laufnummer (von 1.—404.) bekommen (vor dem die Gegenstandsanmerkung enthaltenden Titel). Die Publikation bringt den Text der Protokolle im Volltext oder im Auszug. Man hat die Ministerratsbeschlüsse in diesem Falle ausgelassen, wenn sie bloße Kenntnisnahme, Zustimmung enthalten, ohne sachliche Be­merkungen oder Abänderungen. Der auszügliche Teil ist zum Unterschied vom Volltext mit kursiver Schrift gedruckt. Die Rechtschreibung wurde nur dann verändert, wenn sie eine auf­fällige Abweichung von der heutigen zeigt (zum Beispiel „minister“, heute „miniszter“, statt „cz“ : heute „c“). Bei den Interpunktionen wurde die heutige Rechtschreibung angewandt. Wo es im Text eine Unverständlich­keit gibt, bringt man in der Fußnote eine Anmerkung: „im Originaltext so“. Zu einigen Punkten der Protokolle wurden kurze Einleitungen, Kom­mentare, geschrieben, die die Vorgeschichte der vorliegenden Frage be­schreiben. Andere Erklärungen, wenn sie allgemein sind, nach dem Text der Protokollpunkte, wenn sie dem Verständnis eines Textteiles dienen, sind in der Fußnote (numeriert). Die die Orts- und Personennamen be­treffende Erklärung kommt nicht in den Fußnoten vor. Man kann diese

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