Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 585 so vermögen diese doch in eindrucksvoller Weise das Bild abzurunden, das die historische Forschung von der Persönlichkeit Kübecks gezeichnet hatte. Manches bleibt, wie gesagt, in der Überlieferung fragmentarisch. Ver­gegenwärtigt man sich aber die Bedeutung, die Kübeck für die Entfaltung des Neuabsolutismus der Fünfzigerjahre zukommt und die aus seinen nun zugänglichen Tagebucheintragungen, Briefen und sonstigen Aufzeichnun­gen erst vollends klar wird, so wird man der Kommission, in erster Linie jedoch der mühevollen, sachkundigen Leistung des Herausgebers unein­geschränkte Anerkennung zollen. Denn was wußte man bisher über die Struktur und die inneren Triebkräfte des Neuabsolutismus? — Manches, was bei Friedjung und in den neueren Arbeiten über Schwarzenberg und Windischgrätz zu lesen und vieles, was den Tagebüchern Kempens zu ent­nehmen ist. Es wäre eine dankenswerte Aufgabe, das Gemeinsame und Trennende dieser beiden Männer aus ihren parallelen Aufzeichnungen her­auszuarbeiten. Freilich, der nunmehr edierte Teil der Tagebücher Kübecks umfaßt nur einen kurzen Zeitraum, immerhin aber doch das entscheidende halbe Jahrzehnt von 1850—1855. Die kaum mehr als hundert Personen, die damals die weiträumige Donaumonarchie als Einheitsstaat regierten, zogen nicht alle am selben Strang. Das kam nach außen wenig zum Ausdruck, in ihren persönlichen Aufzeichnungen, in denen sich gleichwohl manch Menschliches und Allzumenschliches spiegelt, tritt dies weit stärker zutage. Anders als Kempen stand Kübeck dem Fürsten Felix Schwarzenberg mit starken Vorbehalten gegenüber, einig waren beide in ihrer Abneigung gegen Alexander Bach und auch das Wirken des Grafen Leo Thun wurde von beiden stark kritisiert. Kübeck blieb in seinem Wesen und in seinen Anschauungen ein Mann des Vormärz, dem nicht nur die üblen Erschei­nungen des Revolutionsjahres ein Greuel waren, der auch den von Bach und Thun auf ganz anderer Grundlage eingeleiteten Reformen wenig Ver­ständnis entgegenbrachte. Bei aller Sympathie für den jungen Kaiser schwebte ihm doch immer wieder das Bild seines früheren Herrn, des Kaisers Franz, vor. In einer Tagebuchnotiz vom 11. Juli 1852 sagt er daher: Die Regierungsmänner, welche aus dem Jahre 1848 hervorgegangen sind und den neuen verjüngten Thron umgeben, haben den siedenden Geist in die Regierung gebracht, der überall und in allen Dingen neue Gestal­tungen hervorrief. Die Reformatoren traten alle ihre Arbeiten mit dem ungestümen Verlangen des Umsturzes an. Keine Einrichtung, kein Gesetz, keine Gewohnheit, keine Geschichte gebot ihnen eine Rücksichtnahme. Alles war schlecht, sobald und weil es bestand ... Aus dieser Grundeinstellung ergab sich, daß Kübeck der Grundent­lastung zwar günstige Folgen für die Zukunft zuschrieb, in der Änderung der bäuerlichen Verhältnisse aber die wahre und bleibende Revolution zu erkennen glaubte. In diesen Gedankengängen steht er, der Schneidersohn aus Iglau, dem Standesherrn Windischgrätz nahe. Mit diesen wenigen Strichen soll der Gesamteindruck, den die vor­liegende Edition hinterläßt, umrissen sein. Auf diesen kommt es an, nicht auf das, was der Schreiber an manchen Stellen über kleine und unbedeu­tende, oft auch aus zu großer Nähe gesehene Dinge niedergelegt hat. Dieses

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