Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

586 Literaturberichte „Ganze“ aber vermehrt unsere historische Erkennt is und erleichtert die Möglichkeit der Einfühlung in eine dem Denken der Gegenwart stark ent­rückte, in ihren Folgewirkungen aber heute noch spürbare Epoche der österreichischen Geschichte. Walter Goldinger (Wien). Hübner Joseph Alexander von, La Monarchia Austriaca dopo Villafranca. (Résumé de l’an 1859, dal „Journal“, vol. XIV.) A cura di Maria Cessi Drudi. VIII u. 184 S. Rom 1959. Das hier veröffentlichte „Résumé de Fan 1859“ ist dem 14. Band des 36 Bände umfassenden Tagebuches des Freiherrn Joseph Alexander v. Hübner entnommen, das eine sehr bedeutsame Quelle für die Geschichte der ersten Jahrzehnte der Regierung Kaiser Franz Josephs darstellt. Es befindet sich heute — ausgenommen der bedauerlicherweise verloren ge­gangenen Bände 15—18 (1860/67) — im Besitz des Institutes für die Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Padua, das es zusammen mit 5 Bänden Briefen Hübners von den Erben des Diplomaten erworben hat. » Die Niederschrift des „Résumés“ wurde am 18. April 1860 in Venedig abgeschlossen, wohin Hübner sich nach seiner Demission als Polizeiminister begeben hatte. Es ist ein zusammenfassender Bericht über die Ereignisse des für die weitere politische Entwicklung Europas entscheidend wichtigen Jahres 1859, allerdings nicht ein systematisch aufgebautes Geschichtswerk, da die Erzählung der ziemlich willkürlich herausgegriffenen Vorgänge weder ihre chronologische Abfolge berücksichtigt, noch überhaupt eine das gesamte Geschehen zu einem geschlossenen Bild vereinigende Darstellung anstrebt. Dazu kommt, daß im Mittelpunkt des Interesses Hübners die handelnden Menschen stehen, deren Schilderung im „Résumé“ einen breiten Raum einnimmt und in manchen Abschnitten die historischen Ereignisse fast nur zur Vertiefung ihrer Charakteristik zu benützen scheint. Und doch bringt auch die Erzählung der Fakten manche unbekannten Einzel­heiten zu Tage und belebt unser schon feststehendes Geschichtsbild durch neue Farben. Hübner führt eine ausgezeichnete Feder und ist ein scharfer Beobachter, daher sind die von ihm gegebenen Porträts zum Teil wahre Kabinett­stücke. So ist etwa das Bild, das er von Graf Karl G r ü n n e entwirft, zwar hart in den Konturen, aber durchaus treffend. Er bezeichnet ihn als den „wichtigsten Mann“ der Fünfzigerjahre, allerdings „durchaus nicht dank seinen persönlichen Eigenschaften, sondern durch seine Stellung“, da er „den Vorteil des engen Zusammenlebens mit dem Kaiser zu nützen wußte“. „Eng liiert mit Schwarzenberg“, begann „seine große Rolle nach dem Tode des Fürsten“. Und nun die Umrisse der Persönlichkeit des Grafen, wie Hübner ihn sah: „Es fehlt ihm nicht an Geist, sein Urteil in kleinen Dingen ist fast immer gesund und gut, aber um die großen Angelegen­heiten zu begreifen, ist sein Geist zu beschränkt und zu wenig »cultivé«. Wie der größte Teil der Aristokratie hat auch er keine »éducation« er­halten; er hat weder Lust noch Gewohnheit zu lesen; und er hat seine Jugend und einen Teil des reifen Alters bei Kavallerieregimentern ver-

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