Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

584 Literaturberichte ausführlich über das Manuskript und über die Arbeitsweise Steins handelt, in seiner Edition die Orthographie und auch die Zeichensetzung des Originals, die die eigentümliche Sprechweise des Verfassers verrät, bei­behalten. Der Text selbst spiegelt das Wesen seines Urhebers wider, er trägt einen schlichten, ja spröden Charakter und paßt nicht recht — wie ft. richtig hervorhebt — zu dem landläufigen Bild des deutschen nationalen Heros. Eine gewisse Scheu gegen jede eigentliche Selbstenthüllung hält den Verfasser vor Äußerungen über seine seelische Entwicklung zurück. So stellt dieser nüchterne, essayartige Kurzbericht keine literarischen An­sprüche. Stein bietet hier kein ausgearbeitetes Lebensbild, sondern nur eine, in einem „ins Ungewöhnliche und Monumentale gesteigerten Amtsstil“ verfaßte skizzenartige Darstellung, die sich im wesentlichen an die Tat­sachen hält, wobei freilich eine belehrende Tendenz unverkennbar ist. R. vergleicht sie einmal mit den Commentaires Karls V. Bei allem Bemühen um Sachlichkeit gelingt es Stein jedoch nicht, etwa seinem großen Gegner Hardenberg gerecht zu werden. Die vorliegende dritte Auflage bringt viele Neuerungen und berück­sichtigt alle Ergebnisse der Stein-Forschung in jüngster Zeit, so vor allem die Neuauflage der Biographie Steins von Gerhard Ritter und die Neu­bearbeitung der Gesamtausgabe der Schriften Steins. Es wäre aber viel­leicht angezeigt gewesen, die Neuerungen mehr im Text selbst zu berück­sichtigen, statt sie in den Anmerkungskeller zu verbannen. Die Tatsache, daß in so kurzer Zeit schon eine dritte Auflage der vor­liegenden Selbstbiographie erforderlich war, ist ein Beweis für das leben­dige Interesse der Gegenwart an der Gestalt Steins, den R. mit Recht zu jenen Deutschen zählt, „die in der Geschichte unseres Landes am stärksten fortleben und deren Beitrag zur Bewältigung der Aufgaben, die uns für Gegenwart und Zukunft gestellt sind, noch nicht vollendet ist“. Auch für uns Österreicher ist die Beschäftigung mit der Gestalt des großen deutschen Staatsmannes von Nutzen und das Erscheinen dieses Werkes mag ein Anlaß mehr sein zum Nachsinnen über das Verhältnis Österreichs zum alten Preußen; diese Besinnung wird für den Historiker heute umso fruchtbarer werden, als beide Staaten nun schon so lange aus dem Konzert der Groß­mächte ausgeschieden sind. Rudolf Neck (Wien). Aus dem Nachlaß des Freiherrn Carl Friedrich Kübeck von Kübau. Tagebücher, Briefe, Aktenstücke (1841—1855). Hgg. u. eingeleitet von Friedrich Wal­ter, 1960. Verlag Hermann Böhlaus Nachf., Graz-Köln = Veröffentlichungen d. Kommission f. Neuere Geschichte Österreichs 45, 216 S. Im Zusammenhang mit seinen fortschreitenden Studien zur Geschichte der österreichischen Zentralverwaltung, die sich nunmehr bereits auf die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erstrecken, fand der Bearbeiter Friedrich Walter den seinerzeit nicht veröffentlichten Teil der Tagebücher und Briefe des Freiherrn Carl Friedrich Kübeck von Kübau auf, dessen Edition in dankenswerter Weise von der Kommission für neuere Geschichte Öster­reichs übernommen wurde. Handelt es sich auch teilweise um Bruchstücke,

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