Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 583 rungsrückgang nach Mohács, die Feldwirtschaft, die Garten-, Wiesen- und Forstbewirtschaftung, die Fischerei und die Viehhaltung, die Bauern­industrie, die sich vergrößernden Allode, die Landschaftseigenheiten der allodialen Wirtschaft, den allodialen Bau, die Lohnarbeit und die Fron, die Anwendung der Fron, die Educillation, die Produkt- und Geldabgaben und den Viehbestand der Bauernwirtschaft. Zum Schluß stellt er fest: „Der Türkenkrieg verhinderte das Niveau der ungarischen Landwirt­schaft, mit der Landwirtschaft der glücklicheren Landschaften Europas Schritt zu halten. Die Kräfte der Bauern wurden im Kampf verbraucht, den sie gegen die endliche Stagnation der landwirtschaftlichen Produktion führen sollten; die Anwendung neuer Methoden kam gar nicht in Frage. In dieser Hinsicht schritten die in den Alloden wirtschaftenden Gutsherrn auch nicht mehr fort, aber es gelang ihnen wenigstens, das Gebiet ihrer Allode in großem Maße zu vergrößern, und sie näherten sich dadurch für eine Zeitlang dem allodialen Niveau der Nachbarländer an. Die Tschechei, Mähren und Polen schlugen sich einen größeren Vorteil nur in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts, in dieser für sie günstigeren, friedlichen Periode, wieder heraus.“ István Káli ay (Wien). Raumer Kurt von, Die Autobiographie des Freiherrn vom Stein. 3., erneut durchgesehene Auflage. Verlag Aschendorff, Münster in Westfalen in Ver­bindung mit Böhlau-Verlag, Köln-Graz, 1960. 53 Seiten und 4 Abbildungen. Die vorliegende autobiographische Skizze des Freiherrn vom Stein aus dem Jahre 1823 wurde auf Anregung des damaligen Kronprinzen von Bayern für dessen persönlichen Gebrauch verfaßt und hatte vertraulichen Charakter. Bisher war der Forschung davon nur das Konzept im Stein- Archiv in Cappenberg bekannt. Ein glücklicher Archivfund, wie er dem Historiker heute nur noch selten gegönnt ist, hat es Kurt von Raumer ermöglicht, nunmehr den Text zum ersten Mal auf Grund der Reinschrift zu veröffentlichen. Der Herausgeber, der das Originalmanuskript im Bayerischen Geheimen Hausarchiv in München uneröffnet und versiegelt entdeckte, darf als einer der hervorragendsten Stein-Kenner unserer Gegenwart bezeichnet werden, der sich schon lange mit der Persönlichkeit des Reichsfreiherrn beschäftigt. Die Einleitung zur vorliegenden Edition besitzt darum selbständigen Wert und man kann annehmen, daß ihr noch einmal eine klassische Bedeutung zu­kommen wird. Die Publikation ist umso verdienstvoller, als bisher ein ungünstiger Stern über den Veröffentlichungen der autobiographischen Aufzeichnungen Steins schwebte. Die Änderungen, die die Reinschrift gegenüber dem aus dem Editions­apparat ersichtlichen Entwurf aufweist, sind z. T. sehr von Belang und überaus bezeichnend für die Persönlichkeit dieses großen deutschen Staats­mannes. Manchmal wurden die Ausdrücke verschärft, oft aber suchte Stein, besonders wenn er sich mit seinen Gegnern beschäftigt, den Ton seiner Ausführungen zu mildern, um sich in den meisten Fällen schließlich doch neuerlich zu noch größeren Verschärfungen zu entschließen. Mit Recht hat R., der die hilfswissenschaftliche Seite keineswegs vernachlässigt und

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