Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 555 zum Bündnis mit den Gegnern der Mittelmächte. Die Darstellung schließt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und man kann auf die ange­kündigte Fortsetzung gespannt sein. Denn das Verhältnis zu Italien blieb die außenpolitische Schicksalsfrage für die Monarchie bis 1918. An dieser Frage scheiterte von vorneherein die Friedenspolitik Kaiser Karls, der gegenüber dem „Verräter“ zu keinen Konzessionen bereit war. Es wurde schon eingangs auf die Diskrepanz zwischen Titel und Inhalt dieser vorzüglichen Untersuchung hingewiesen. Vielleicht kann noch kurz die Frage aufgeworfen werden, ob die entscheidende Problematik des Drei­bundes gar nicht bei Italien, sondern im Hinblick auf die effektive Phase im Ersten Weltkrieg beim Verhältnis Deutschlands zu Österreich-Ungarn lag. Italien schied nicht zuletzt deshalb als erster aus dem Bündnis, weil dem Deutschen Reich als Stärkstem im Bunde mehr an Österreich-Ungarn lag’. Auch wäre vielleicht im Falle Italiens noch etwas mehr hervor­zuheben gewesen, daß die weiten Küsten des Landes zur Rücksicht auf die Haltung Englands zwangen, was von den italienischen Staatsmännern des Ersten Weltkrieges im Gegensatz zu denen des Zweiten rechtzeitig erkannt wurde. Im ganzen ist diese Arbeit, sofern sie die Politik der alten Monarchie charakterisiert, ein wertvoller Beitrag zur Klärung unseres Geschichts­bildes. So richtig es aber ist, den eigenen falschen Standpunkt zu über­winden, muß man sich doch stellenweise fragen, ob die Sympathien für den ehemaligen Gegner nicht zu weit gehen. Dies ist umso bedenklicher, als es sich um eine Publikation handelt, die vor allem für den Geschichts­lehrer bestimmt ist. Nicht nur die historische Gerechtigkeit, sondern auch die heutige Situation gebietet die Feststellung, daß der italienische Faschismus, dessen geistigen Restbestände es jetzt noch zu liquidieren gilt, bereits im italienischen Imperialismus der Zeit des Dreibundes wurzelt. Hier ist der Verf. etwa in der Frage Abessinien oder besonders Tripolis (wo das grundlegende Werk von Askew weder Erwähnung noch Berück­sichtigung findet) sehr zurückhaltend. Aber auch im Zusammenhang mit der Frage der Irredenta wäre vielleicht ein kurzer Hinweis auf die über­hebliche Haltung der Italiener in Österreich gegenüber ihren slowenischen Mitbürgern und auf die soziale Rückständigkeit Italiens zumindest im Ver­gleich zur westlichen Reichshälfte am Platz gewesen. Dies hätte wenn nicht der Titel, so der Inhalt der Arbeit erfordert. Die rücksichtslose Dar­stellung der Fehler in unserer eigenen Vergangenheit müßte nicht mit einer übertriebenen Schonung des ehemaligen Feindes Hand in Hand gehen. Rudolf Neck (Wien) Engel-Janosi Friedrich, Österreich und der Vatikan, Bd. II. — Die Ponti­fikate Pius’ X. und Benedikts XV. (1903—1918). Verlag Styria, Graz—Wien —Köln (1960), XXIV und 420 Seiten. Nicht immer soll man bei der Lektüre eines Buches das Vorwort oder die Einleitung als für die Darstellung unwesentlich überblättern. Für das richtige Verständnis und die sachliche Wertung des vorliegenden Buches ist die Einleitung maßgebend. In ihr läßt der Verf., um einen naheliegenden musikalischen Vergleich zu wählen, wie in einer Ouvertüre die Grundmotive

Next

/
Thumbnails
Contents