Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

546 Literaturberichte die ihm ferner lagen, fehlen oder erscheinen nur am Rande des riesigen Gemäldes. Die von Ritter betonten Schwächen des Werkes werden weit­gehend durch die Vorzüge des Buches aufgewogen. Ritter selbst hatte schon das Großartige der „universalhistorischen Erörterungen-“ in Brandis Buch, vor allem im zweiten, der Gegenreformation gewidmeten Teil emp­funden, und Srbik sah in Brandis Werk die „hervorragende Erfassung und Darstellung der Struktureinheit eines großen Zeitraumes deutscher und europäischer Geschichte““. Brandis eigenartige Stellung zwischen den Konfessionen wirkte auf den Geist seines Buches, das einen sehr wesent­lichen Beitrag zur Entschärf ung des Urteils, zur Niederlegung der „Doppel­mauer der konfessionellen Vorurteile“ (Schramm) bedeutete und noch immer bedeutet. Der geborene westfälische Katholik, der zwei Tage vor seinem Tode einen befreundeten protestantischen Theologen gebeten hatte, ihm an seinem Sarge „ein rein menschliches, am liebsten vorwiegend litur­gisches Abschiedswort“ zu widmen, hatte schon ein Vierteljahrhundert vor­her in seinem Buch einen über den Konfessionen liegenden Standpunkt gewählt. Brandis Buch wird weniger von den Fachgenossen zitiert, umso mehr aber von den am geschichtlichen Geschehen interessierten „Laien““ gelesen werden. Es verdient als großartige historiographische Leistung gewertet zu werden und hat in den dreißig Jahren seit seinem Erscheinen soviel Eigenberechtigung erworben, daß es ohne „Bereicherung" durch den Stift eines fremden Bearbeiters, ohne ergänzende Glossen und erläuternde Noten bestehen kann, rein und unverfälscht, wie der Meister es geschaffen hat. Hans Sturmberger (Linz). Geuss Herbert, Bismarck und Napoleon III. Ein Beitrag zur Geschichte der preußisch-französischen Beziehungen 1851—1871. (Kölner historische Ab­handlungen, Band 1). Böhlau-Verlag, Köln-Graz 1959. VI, 324 S. Da die Bismarck-Literatur zu keinem übereinstimmenden Urteil über die Frage gekommen ist, wie Bismarck seinen Gegenspieler Napoleon III. gesehen hat und wie er grundsätzlich zu ihm eingestellt war, hat sich Geuss, ein Schüler Rassows, in der vorliegenden Arbeit die Klärung dieses höchst bedeutsamen Problemes zur Aufgabe gestellt. Auch die Napoleon- Literatur ist ja keineswegs zu einer einheitlichen Stellungnahme gelangt. Geuss verwendet als Basis die in den Gesammelten Werken Bismarcks, in der „Auswärtigen Politik Preußens 1858—1871“, den „Origines diploma- tiques de la guerre de 1870/71“ und in Hermann Onckens „Rheinpolitik Napoleons III.“ gedruckten Quellen, ferner zahlreiche Memoiren. Nicht berücksichtigt ist etwa die österreichische Aktenpublikation „Quellen zur deutschen Politik Österreichs“, auch archivalische Studien sind kaum feststellbar. Das verwendete Material wurde jedoch sehr gründlich und kritisch durchgearbeitet und sorgfältig interpretiert. So kommt der Verf. zu einem sehr geschlossenen und einheitlichen Bild, das in vielen Punkten von den bisher in der Literatur vertretenen Auffassungen abweicht. Geuss setzt sich auch immer wieder mit der Literatur kritisch auseinander. Im ersten Teil untersucht er die Entstehung von Bismarcks Urteil über die Politik und Persönlichkeit Napoleons III. bis 1862. Bismarck, der bei

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