Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
MIKOLETZKY, Hanns Leo: Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker
Franz Stephan von Lothringen als Wirtschaftspolitiker 243 March gelangt 1755 zum Preis von 204.959 fl. 10 kr. an ihn: die Kaiserin kaufte es von den Erben des Prinzen Eugen, Joseph Friedrich Wilhelm und Anna Viktoria von Sachsen-Hildburghausen, und schenkte es ihrem Gatten02 ). Göding und Paulowitz in Mähren, die ebenfalls zur Konkursmasse des Grafen Czobor gehörten, wurden am 10. Juli 1762 ersteigert und kosteten 894.016 fl. 10 kr.* 63). Für Ungarisch-Altenburg, das Franz I. am 1. Juni 1764 für 2,300.000 fl. aus dem Pfandbesitz des Wiener Banco übernahm64 *), fungierte er allerdings ebenso wie für Scharfenegg und Mannersdorf und für die aus dem Besitz des Prinzen Eugen stammenden ungarischen Herrschaften Bellye und Ráczkeve, die Maria Theresia von ihrer Mutter geerbt hatte, nur als Vermittler seiner Gemahlin66). Diese und die dazu gehörigen zahlreichen kleineren Besitzungen, die er anfangs gewiß recht verwahrlost übernahm, hat er ebenso wie die böhmischen Cameralherrschaften, die vielen weit verstreuten, mindestens bis Urbino in Mittelitalien reichenden Güter und die Einzelobjekte, die Häuser in Wien 66) etc., die sein Eigentum waren und für die heute der Überblick fast zur Gänze fehlt, dank seinen klug ausgewählten und geschickten Mitarbeitern allmählich auf einen hohen Erträgnisstand zu bringen gewußt und ihren Wert erheblich gesteigert. Ständig werden Vorschläge zur Verbesserung des Ackerbaus sowie Kostenvoranschläge für die Errichtung neuer Gebäude eingeholt. Denn alle Güter sind natürlich noch immer ausnahmslos in der Hauptsache zunächst landwirtschaftliche Betriebe, deren Viehzucht und Bodenfrüchte die wichtigsten Einnahmequellen darstellen, wozu noch Fischerei, Holz, Brauerei und Weinbau kommen. Am kostspieligsten, freilich auch am lukrativsten waren die Brau- und Wirtshäuser auf den kaiserlichen Besitzungen. 1764 trugen Ungarisch-Altenburg, Holies, Sassin, Enyed, Falkenstein, Göding und Paulowitz, Eckartsau mit Eßling 991.579 fl. 49X kr. Von Altenburg wird 1766 gesagt, es könne nach Ersparung des Administrators und eingeschränkter Jägerei „ganz füglich auf 120.000 fl. Baare Ertragnis gebracht werden, denn die Stärcke dieser Herrschaft bestehet in dem Kömerverkauf...“ 67). Mannersdorf wieder war eine Pflanzstätte veredelter Schafe wie übrigens auch Holics und Marcopeil bei Fiume68). Von 62) Vgl. oben A. 56 und Khevenhüller 1752—1755, S. 235 (zum 14. April 1755), 513/A. 238: hier werden als Kaufpreis 400.000 fl. genannt. Siehe ferner Ameth a. a. O. 4, S. 147, und Turba a. a. O. S. 113/A. 189, dazu auch Adam Wolf, Aus dem Hofleben Maria Theresia’s __ 1858, S. 196. 6 3) Vgl. oben A. 56. Der Kaufvertrag befindet sich im Archiv der Gutsverwaltung Göding. 64) HKA. Ungar. Camerale, rote Nr. 89. 66) Vgl. Turba a. a. O. S. 112/A. 188 a. 66) Vgl. Turba a. a. O. S. 116, hier auch A. 203. 67) Poschakten 1. 68) Vgl. Poschakten 15: Relation vom 12. Mai 1754, und Johann Slokar, Geschichte der österreichischen Industrie unter Kaiser Franz I. ... 1914, S. 319. 16*